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Vom Denkendürfen und Ausgezeichnetwerden

Es tue gut, einmal zu sehen, daß man in der Kirche auch denken dürfe. So oder so ähnlich formulierte es der Erzbischof von Wien, Christoph Schönborn, öffentlich (zu hören in „Radio Stephansdom“ am frühen Abend des 24.6.2005) anläßlich einer von ihm selbst vorgenommenen Auszeichnung. Wer mag das bisher wohl in Abrede gestellt haben? Meinte Schönborn damit, bisher am Denken gehindert worden zu sein? Durch wen oder was? Durch düstere Kräfte des Rückschritts? Durch den Papst? Durch seinen ungeliebten Bruder im Bischofsamt, Kurt Krenn? Durch die von Schönborn vielleicht als einengend und nicht mehr zeitgemäß empfundenen Dogmen der Kirche? Oder sollten wir da etwas mißverstanden haben? Wie schön, daß wir jedenfalls aber mit einem, in einer anschließenden Laudatio überdies in die Nähe der biblischen Propheten gerückten Politiker, ein Exemplar eines denkenden Katholiken vorgeführt bekommen haben: Erhard Busek, Ex-Parteiobmann der Volkspartei, Ex-Vizekanzler, nunmehr Eu-Koordinator für dies und das. Er wurde ausgezeichnet; mit einer relativ hohen Päpstlichen Auszeichnung überdies; mit dem Großkreuz des Sylvesterordens. Das bekommt eigentlich nicht jeder. Und wenn wir nun selbst die von Eminenz Schönborn angedeutete Erlaubnis zum Denken nützen, vermeinen wir uns in Zusammenhang mit Erhard Busek an etliche Zimelien republikanischer Politik erinnern zu können: an Buseks „Ohne Wenn und Aber“-Koalition mit dem Sozialismus; an die geballte Faust und das Mitgegröle bei der „Internationalen“; an Busek als einen der politisch Hauptverantwortlichen für das am Ensemble der Hofstallungen in Wien begangene Architekturverbrechen; an jenen Busek zugeschriebenen Wunsch, daß die an zahlreichen Orten Österreichs anzutreffenden Kriegerdenkmäler als „Altlasten“ zu „entsorgen“ seien. Wie schön, daß all dies wertvolle Denken und Wirken für Österreich und die Kirche nunmehr auch Kirchliche Würdigung erfahren hat. Danke, Eminenz Schönborn; wir werden Ihnen auch dies nicht vergessen.

Politische Verfolgung

Alljährlich gedenkt die „Övp-Kameradschaft der politisch Verfolgten“ des bislang bedeutendsten unter Österreichs Bundeskanzlern: denkt an Engelbert Dollfuß. Es ist ihr das hoch anzurechnen, gerade in Zeiten wie diesen, da selbst aus den Reihen der eigenen Volkspartei das Bekenntnis zum Helden- und Märtyrerkanzler nicht mehr uneingeschränkt mitgetragen wird. Das zunehmende Abrücken diverser Vp-Parteifunktionäre bis hin zu doppeldeutigen Negativbemerkungen Bundeskanzler Schüssels dürfte System haben. Heuer erst wurde ein Beschluß der Regierung Schüssel gefaßt, den „Opfern politischer Verfolgung“ finanzielle Zuwendungen aus Steuergeld zukommen zu lassen. Interessant der Zeitrahmen, der dabei für jene Verfolgungen angegeben wird: 1933 bis 1945. Kenner der Materie wissen, worum es geht. Vorzugsweise jene Sozialisten werden hier zu bewundernswerten Widerstandkämpfern hochstilisiert, die 1933 bis 1938, mutig und engagiert, Bürgerkrieg und Terror über jenes Christlich-sozial regierte Österreich gebracht haben, das in diesen Jahren recht einsam Widerstand gegen den National-Sozialismus geleistet hat. Ein klassischer Fall eines politischen Dolchstoßes von rückwärts. Selbstverständlich unterlagen dann, vor allem nach ihrem gescheitertem Putschversuch vom Februar 1934, jene aufständischen und terroristischen Sozialdemokraten der „politischen Verfolgung“. Genauso übrigens wie ihre Genossen in Braun, jene genauso mutigen und terroristischen nationalsozialistischen Putschisten vom Juli 1934. Das sind ja auch durch die Regierungen Dollfuß und Schuschnigg „politisch Verfolgte“. Wir bestreiten das auch gar nicht; weder den Mut noch die politische Verfolgung. Alle Seiten der Jahre 1933-1945 hatten Mutige, und alle Seiten hatten politisch Verfolgte und, wenn man so will, Opfer. Zahlreiche der Opfer waren zugleich aber auch Täter und, um es noch deutlicher zu sagen, Verbrecher, und das gilt vorzugsweise für Braun wie für Rot. Denn zum Mut hat auch noch die Gerechtigkeit der Sache zu treten, für die man einsteht, um eine allgemeine Anerkennung, ehrende Würdigung und finanzielle Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln zu rechtfertigen. Weder die engagierten und mutigen nationalsozialistischen Kämpfer von damals noch ihre sozialdemokratischen Pendants können in irgendeiner Weise eine wirkliche Rechtfertigung für die von ihnen gewalttätig und mit Mord, Terror und Bürgerkrieg verfochtenen verbrecherischen politischen Wahnideen vorweisen. Daß das die Linke in entscheidenden Details ganz anders sieht, ist ohnehin klar. Daß die Regierung Schüssel aber einmal mehr linke Denk- und Gesinnungsvorgaben rezipiert und dafür auch noch großzügig unsere Steuergelder verschenkt, deutet auf ebenso weitreichende wie empörende Grundsatzlosigkeit, geschichtliche Ignoranz, mangelnden Patriotismus und Verrat am Erbe der großen Staatsmänner des Schwarzen Lagers.

Ökumene

Daß die Konservativen vom gegenwärtig betriebenen Ökumenismusspektakel nicht viel halten, ist ohnehin geläufig. Gewiß gibt es auch sinnvolle und wahrhaftige Ansätze der Ökumene, zu welchen sich zu bekennen auch einem Traditionalisten nicht schwer fallen muß. Wie freilich „Ökumene“ typischerweise heute aussieht, demonstriert uns ein protestantischer Beitrag zur Inthronisation von Papst Benedikt XVI. Ein gewisser Körtner, Vortand des Institutes für „Systematische Theologie“ der protestantischen Fakultät an der Universität Wien, nach eigener Aussage „ökumenisch“ gesonnen, äußert sich wie folgt („Standard“ 22.4.2005): „Der Medienhype, der seit der Neuerfindung des Papsttums durch  Karol Woityla um sich greift, bleibt … befremdlich“; „… die römisch-katholische Kirche … entwickelt sich immer mehr zur virtuellen Fernsehkirche, während an der Basis drückender Priestermangel herrscht und enttäuschte Gläubige ihrer Kirche scharenweise den Rücken kehren“; „Papamania“; „Die christliche Botschaft … droht vom Personenkult völlig überlagert zu werden“; „… ist und bleibt das Papstamt das größte Hindernis auf dem Weg zur Ökumene“; „Der Petrusdienst, von dem die katholische Kirche spricht, ist biblisch nicht begründet. Er widerspricht dem Neuen Testament“; „Die Leichtfertigkeit, mit der Journalisten den Papst als Stellvertreter Christi auf Erden und Nachfolger Petri bezeichnen, ist, gelinde gesagt, eine Gedankenlosigkeit“; „Von einer Annäherung in der Abendmahlsfrage sind die Kirchen weit entfernt“; „Für ökumenische Euphorie besteht daher kein Anlaß“.

In der Tat, dem letzten Satz können wir zustimmen: kein Anlaß für Euphorie. So klar und gehässig hat man es schon lange nicht in die Öffentlichkeit gestellt — und genau das scheint uns die häufig zu bemerkende Grundhaltung zahlreicher der protestantischen Funktionäre unserer Zeit zu sein (wenngleich uns auch erfreuliche Ausnahmen bekannt sind). Auf derlei niedere Polemik einzugehen, kann aber unter gegenwärtigen Verhältnissen durchaus lohnend sein, da sich wichtige Grenzziehungen durchführen lassen und ein Abbau falscher und schädlicher Ökumenismusvorstellungen vorangetrieben wird. Gehen wir es der Reihe nach durch. Johannes-Paul II. hat das Papsttum „nicht neu erfunden“ sondern er hat es, wie viele große Päpste davor, mit einer persönlichen Interpretation bereichert. Daß durch die mitunter immer noch machtvolle mediale Präsenz der Kirche der eine oder andere protestantische Funktionär in seiner Eitelkeit und seinem Gefühl eigener Wichtigkeit beeinträchtigt sein mag und daher „befremdet“ seine Wünsche nach weniger medialer Aufmerksamkeit für den Papst einfordert, ist vorstellbar, sollte aber Katholiken nicht weiter beeindrucken. Daß in der Kirche unserer Tage Priestermangel und Glaubensabfall herrschen, sind Konsequenzen der modernistischen Verirrung; ein starkes Papsttum wird diese Entwicklungen korrigieren können, ein schwaches Papsttum wird hilflos zusehen, wie sie weiter voranschreiten. Daß übrigens zum Thema „enttäuschte Gläubige“ ausgerechnet ein Protestant große Worte macht, entbehrt angesichts des völligen Niederganges der protestantischen Denominationen in Europa nicht einer grotesken Note; vielfach scheinen uns die protestantischen „Kirchen“ nur mehr gleichgeschaltete Strukturen linksgerichteter Gesellschaftsveränderung zu sein, weitreichend eines eigenständigen Christlichen Profils entbehrend. (Es ist wohl kein Zufall, daß Leute wie Körtner ausgerechnet im „Standard“ publizieren). Das Papsttum ist eine der effizientesten Sicherungen der Katholischen Kirche davor, in das gleiche strukturelle wie moralische Desaster zu geraten. Das Papsttum ist sehr wohl biblisch begründet und zwar auf den Worte Jesu Christi selbst (Evangelium nach Matthäus 16,17-19, Evangelium nach Johannes 1,42). Von einer Annäherung der Kirche in der Abendmahlsfrage an die Protestanten kann begrüßenswerterweise noch keine Rede sein, da das Gegenteil ja wohl bedeuten würde, daß die Kirche häretische Positionen in ihre Lehre aufnähme. In Wahrheit ist man ja auch in der ebenfalls ganz wesentlichen Frage der Rechtfertigung nach wie vor genauso weit voneinander entfernt, auch wenn theologisch fragwürdige „gemeinsame Erklärungen“ im Kontext eben falsch verstandener „Ökumene“ das in den letzten Jahren zu verschleiern trachteten. Die Protestanten haben in den Fragen der Wandlung, der Rechtfertigung und des Papsttums schlicht eine falsche Theologie (mit fatalen Auswirkungen in der gesellschaftspolitischen Praxis). Und Entgleisungen wie die des protestantischen Funktionärs Körtner sind der betrübliche Anlaß, dies erneut festzustellen.

FrauenstadträtInnen

Eine besondere Zeitgeistzierde stellen die diversen sozialistischen PolitikerInnen dar, mit denen wir seit Beginn der 1970er Jahre hierzulande verwöhnt werden. Für diese wurden und werden in großer Zahl Posten geschaffen. Und solch eine, wahrscheinlich wohl fett dotierte, wenngleich für das Gemeinwohl völlig entbehrliche Funktionärsstelle, ist das Amt der Wiener „Frauenstadträtin“. Die momentane FunktionsinhaberIn ist eine gewisse Sonja Wehsely. Nicht, daß man sich den Namen merken müßte, aber das Wirken dieser Dame ist sicher bezeichnend und soll hier pars pro toto kurz gewürdigt sein. Diesen Sommer sah man auf dem Platz zwischen den beiden großen Museen und vor den Hofstallungen in Wien eine auf Initiative der „Frauenstadträtin“ arrangierte linke Freiluft-Polit-Ausstellung, betitelt mit: „Frauen gedenken anders“. Die Unsitte öffentlicher Belästigung durch (aus Steuergeld finanzierte) linksextreme Propaganda und die Verschandelung unserer schönsten Plätze durch geschmacklose Schautafeln und debile Installierungen ist man in Wien leidvoll gewohnt. Diesmal wurde uns „Ein Streifzug durch die Geschichte“ ab 1945 dargeboten — „gesellschaftspolitische Entwicklungen, die das Leben der Österreicherinnen geprägt haben: von Wiederaufbau bis Fristenlösung, von Pille bis Erwerbstätigkeit, von Stadtplanung bis Gleichstellungspolitik“. Als besonders gelungen darf eine Schautafel bezeichnet werden, die zweimal den Marmorsaal des Schlosses Belvedere zeigt, einmal bei der Unterzeichnung des Staatsvertrages (lauter Männer auf dem Bild), einmal wohl kurz davor, als der Saal der Säuberung unterzogen wird (lauter Frauen auf dem Bild). Was FrauenstadträtIn Wehsely damit zum Ausdruck bringen wollte, können wir uns denken. Wir freilich wollen auf einen ganz anderen und wesentlichen Punkt hinweisen: Man stelle sich nur vor, an Stelle von Leopold Figl hätte damals Sonja Wehsely agiert; wir zweifeln, daß wir je den Staatsvertrag erhalten hätten. Und gerade sozialistische „Frauenpolitik“ der Gegenwart belegt es deutlich: Im Mai des Jahres 1955 war im Marmorsaal der Residenz von Prinz Eugen jeder wahrscheinlich genau an dem Platz, der ihm zugekommen ist. Und darum ist damals auch gute Politik mit segensreichen Konsequenzen gemacht worden — sehr zum Unterschied von heute. Aber eines wollen wir gewiß zugestehen: wir tauschen gerne und sofort den Großteil der derzeitigen Politiker/Innen dieser republik gegen eine einzige Kaiserin Maria-Theresia.

Bundeshymne

Sie war nie die erste Hymne unseres Herzens, übertönte in uns nie die erhabene Kaiser- und Volkshymne des Joseph Haydn. Aber sie ist uns dennoch, abgesehen vom republikanischen Kontext, liebgeworden. Eine nette und eingängige Melodie, seit Kindertagen wohlbekannt, ein schönes Lied auf das nunmehr kleine, aber teuer gebliebene Vaterland, auf die liebe und gute Heimat. Das Besondere an der Bundeshymne ist der überaus gelungene Text. Er stammt von einer der großen, wenn auch heute bezeichnenderweise nicht mehr wirklich bekannten Schriftstellerinnen der jüngeren Österreichischen Geschichte — Paula von Preradovic. Ausgerechnet eine Politikerin der Volkspartei, die häufig durch Inkompetenz und Unbedarftheit aufgefallene Ministerin Rauch, möchte nun diesen Text feministisch verunstalten. Das Vorhaben paßt zum gesellschaftspolitischen Linkskurs der Regierung Schüssel und erhält auch Zustimmung von Seiten der Linken. Schon der unsympathische alte Kreisky mochte die Bundeshymne nicht; zuviel Patriotismus. „Gebrauchspathos der Nachkriegszeit“ ist eine abfällige Beurteilung aus der aktuellen Linkspresse. Gerade derlei Meinungen aber stellen gewissermaßen ein Gütesiegel dar. Und die Intentionen der Frau Rauch belegen, wo die Volkspartei heutzutage steht. Und daß man diese Partei einfach nicht mehr wählen sollte.