Gesellschaftspolitik 2004

Anmerkungen zu zeitgenössisch-republikanischer „Kulturpolitik“ — Geschichte in Fortsetzungen
 

Von „Kunst“-Parties und „Launen der Grausamkeit“

Eine die chemischen Zersetzungs-Funktionen eines Darmes wahrnehmende Apparatur erzeugt, über 12 Meter hin erstreckt, künstliche Fäkalien. Von linker Kunst-Scheiße zu sprechen, ist somit nicht mehr bloß bildhaftes Verdeutlichen gegebener Mißstände, sondern längst Wiedergabe von Faktischem. Eine nichtssagende Stummfilmsequenz, in einem kahlen Kämmerchen dargeboten, zeigt abwechselnd einer Frau Gesicht sowie nackten Körper, wozu die Gesangsaufnahme einer hohen Greisenstimme zu hören ist. Kleine Sesselchen sind mit widerwärtigen Gebilden aus Wachs oder Kunststoff belegt, die an rohe, blutige Fleischklumpen und Gedärmfetzen erinnern; vom gleichen „Künstler“ stammen weitere Wachsmodelle, so ein bestempelt-blutiges Hautgebilde, an dem Menschenhaar hängt; ein nicht übermäßig beeindruckendes Gesicht, dem eine mit rotem Schorf überzogene, „gepiercte“ Zunge entquillt; ein kleiner römischer Brustpanzer, der mit blutig-rotem Gekröse überzogen ist. Unbeholfen geformte, metergroße Totenschädelgebilde sind mit unfeinen Wörtern beschrieben oder tragen auch Hakenkreuze und Hitlerbärte, womit, wie man annehmen darf, ein aktueller Beitrag zum „Antifaschismus“ geleistet wurde. Ein an die kahle Wand applizierter Text erläutert uns: „Yvonne Rainers Arbeit als Tänzerin, Choreographin und Filmemacherin gilt gesellschaftsrelevanten Themen feministischer, postkolonialer oder einfach zwischenmenschlicher Färbung“; man sieht eine vor einer Diaprojektwand hingelegte Matratze, einen Koffer, einen Sessel, einen Staubsauger; auf der Diaprojektwand erscheinen beständig wechselnde sinnige Sätze wie: „... hinter dem Augenschirm drehen sich seine Gedanken im Kreis“. 71 kleine, widerliche Bildchen in identen Rahmen sind an eine der Seitenwände gehängt und zeigen Obszön-Sadistisches; der Text zu „Launen der Grausamkeit“ schreibt von „... Übungen, in denen Grausamkeit vor allem in Kombination mit Sexualität jenseits von Gut und Böse ihren Auftritt hat.“ Davor erfährt gerade eine Schulklasse Indoktrination in progressivem „Kunst“-Verständnis. Seitlich in einem Nebenraum läuft ein Film, der als Laudatio auf feministisch-lesbische „Intellektuelle“ zu verstehen ist. Im „Museums-Shop“ ist dann neben diversem Plastikramsch das „Schwule Lesebuch Österreichs“ käuflich erwerbbar. Eines vermittelte die „Ausstellung“ gewiß: was sozialistische „Kultur“-Politik und moderne „Kunst“ darstellen und daß sie alle feindseligen Vorurteile gegen sich gänzlich rechtfertigen. Die „Ausstellung“ war der permanente Teil einer angeblich barocken „Party“, für die in Wien mit zahlreichen aufwendigen Plakaten geworben und mit der am 11./12. Juni 2001 die „Kunsthalle“ eröffnet wurde, ein Teil des „Muqua“, des „Museumsquartiers“ moderner „Kunst“ in Wien. Neben „Körpersäften“ und Totenschädeln verdeutlichte auch der Auftritt der deutschen Gruppe „Hygienehäute“ („U-Expreß“ 15. Juni 2001) aufs beste, wie verantwortungsbewußt die politische Kaste jene ungezählten phantastischen Milliardenbeträge an Steuergeldern einsetzt, welche die „Kulturbudgets“ der letzten 30 Jahre insgesamt ausmachen. Davor schon bot eine Voreröffnung des „Museumsquartiers“ 45 nur mit Lederstiefeln bekleidete Frauen mit rasierter Scham zur Besichtigung. Am 30.6.2001 folgte eine weitere „Party“, die sich als Teil des Wien im Juni heimsuchenden Homosexuellenfestivals „europride“ verstand (das englische „pride“ wird wohl mit Hoffart zu übersetzen sein), für dessen „Parade“ (der Orf „berichtete“) wiederum die „Kunsthalle“ einen „Paradewagen“ stellte („Standard“ 18. Mai 2001); zu diesem Zwecke flatterten auch im „Museumsquartier“ die lustigen Regenbogen-Tuntenfahnen. Bis 6. Jänner 2002 konnte man, wiederum in der „Kunsthalle“, also auf dem Gelände der von moderner „Architektur“ verheerten Hofstallungen, die Ausstellung „Televisions — Kunst sieht fern“ besuchen. Weithin durch die Stadt sah man die dazugehörigen Plakate in unappetitlichem Rosa auf Giftgrün, welche die Zeichnung eines ältlichen und übergewichtigen Mannes in Dessous und mit debilem Gesichtsausdruck zeigten, dessen eine Hand in den Abgründigkeiten seiner wahrscheinlich schmutzigen Unterhose verschwand, während die andere Hand eine Televisions-Fernbedienung hielt; all dies gewiß treffliche Darstellung einer sozialistischen Gesellschaft. Das ebenfalls zum „Muqua“ gehörende „Kindermuseum“ erfreute uns, kaum eröffnet, durch ein „Theater­stück“ über sexuellen Mißbrauch von Kindern; und dieser Mißbrauch erfolgt in diesem Theaterstück natürlich nicht durch beispielsweise linke Homosexuellen-Aktivisten oder sozialistische Pädagogen, nein, gewiß nicht, dieser erfolgt, wir hätten es wohl vorhersehen können — durch die Familie. Das „Museumsquartier“ und die ihm angeschlossenen „Institute“ werden offensichtlich ganz genau zu dem, was wir immer schon angenommen haben: Eine hochsubventionierte Spielwiese für die öffentliche Darbietung von Unanständigkeiten, Banalitäten, Denunziationen und bösartigen politischen Wahnideen linker Nichtskönner; geleitet von einem „Museumsquartierchef“ und einem „Kunsthallen­chef“; beider wie wir annehmen wohl aus Steuergeldern dotiertes Salär ist uns leider unbekannt, wir zweifeln nicht, daß es hoch ist. Und: erinnern wir uns, wem wir diese ganze Pracht zu danken haben, gedenken wir stets gerade auch der bürgerlich-urbanen, der Volkspartei angehörenden Repräsentanten dieser „Kulturpolitik“. Und: Niemals vergessen! Die einzige Partei in Wien, die sich gegen die Errichtung dieses „Museumsquartiers moderner Kunst“ aussprach, waren die Freiheitlichen.

Freuden des Sparens und Bedrohung durch Provinzialismus

Welch herber Verlust war das einst, als Ex-FrauenministerIn Konrad, eine der Lichtgestalten heimischer Sozialdemokratie (wir nehmen das traurige Schicksal dieser unangepaßten VordenkerIn pars pro toto), nicht „Kulturbeauftragte“ des Landes Steiermark werden durfte. Der solcherart Diskriminierten entging somit, wie man damals in den Gazetten lesen mußte, ein fünfstelliges Schilling-Gehalt. Eine andere stattliche monatliche Summe verblieb ihr aber, Dotation für all ihre übrigen und ja so wichtigen Tätigkeiten. Welch Glück. Sich diese selbstlose Kämpferin für Emanzipationsrechte als Mindestrentnerin vorstellen zu müssen, wäre gar grausam gewesen. Der schwere Schlag gegen Kultur wie Kulturschaffende wurde freilich gemildert durch die Nachricht, daß endlich, endlich, für die wissenschaftliche Aufarbeitung des epochalen Werkes des großartigen Thomas Bernhard eine eigene Stiftung eingerichtet worden ist. Nur provinzielle Kleingeister, von denen es in diesem Lande aber, ach, gar viele gibt, haben in diesem verkannten Dichter einen minderbemittelten Schmieranten gesehen, dessen steter Drang der Ansudelung von Heimat und Kirche gegolten hat. Frau Gehrer, die unsagbar begnadete UnterrichtsministerIn, war in die Pläne zur Schaffung dieser Stiftung involviert. Ihr eiserner Wille, angesichts drastisch knapper werdender Geldmittel, damals noch stetig anwachsender Staatsschuld und andauernd größerer Belastungen der Bevölkerung keine Kosten zu scheuen, das unentbehrliche Meisterwerk der Rechtschreibreform zu finanzieren, wird wohl noch Generationen in dankbare Erinnerung versetzen (in den Zeitungen war seinerzeit ein Betrag von 100 Millionen Schilling angeführt, man weiß aber nichts Genaues, was mag es wohl den Steuerzahler gekostet haben?). Die republik weiß eben, wo zu sparen ist und wo nicht. So wäre es auch ganz falsch, die fehlenden staatlichen Mittel für die Erhaltung des Stephansdomes, der Kaisergruft bei den Kapuzinern und der Buchbestände der Nationalbibliothek (dort soll es Probleme mit dem Schimmel geben, wie man hört) etwa spießig gegen die wirklich viel notwendigeren Ausgaben aufzurechnen, welche die von zeitgemäßer Urbanität (oder urbaner Weltoffenheit?) kündenden modernen „Fresken“ in den Redoutensälen benötigt haben (von fundamentalistischen Kritikern als Schmiererei apostrophiert; um lediglich so 20 Millionen Schilling verwirklichbar gewesen); oder die der demokratiepolitisch unverzichtbare Neubau eines Museums „moderner Kunst“ in Wien gekostet hat (nur 2 bis 3 Milliarden Schilling); und erst die überaus notwendigen Rampen-Aufzugs-Tralala Umbauten an der Albertina, die uns seit jüngster Zeit erfreuen. Ja, für die moderne „Kunst“ und „Architektur“, da darf uns nichts zu teuer sein. Nur der Österreichische Provinzialismus fragt garstig nach Sinn und Kosten: etwa der schlichten und dennoch geschmacklosen neuen Glashalle vor dem Eingang des Technischen Museums in Wien; oder des seit langem aus der Mauer gesägten und nunmehr in subtiler Ironie vor selbigem auf der Straße montierten großen Parterrefensters des Museums für angewandte Kunst; oder der antifaschistischen und daher auch staatspolizeilich sorgfältig bewachten Hinkelsteine bei der Albertina; oder der an öffentlichem Orte in Klagenfurt um beträchtliches Steuergeld realisierten Werke eines bekannten Fäkalkünstlers; oder der von den steirischen Kulturverantwortlichen um wohlfeile 70 Millionen Schilling gebauten schwimmenden „Installation“ in der Mur mit der klangvollen Benennung „Antontschi-Insel“ (oder so ähnlich). Früher war Österreich ein Land, das in feudaler Engstirnigkeit gotische Dome und barocke Schlösser gebaut hat. Das haben wir nun glücklich überwunden. Danke! Man spart doch gerne bei sich selbst, um sich all die geniale, fortschrittliche Gegenwartskultur und all ihre wundervollen modernen Künstler noch lange, lange leisten zu können. Grasser, schönster Finanzminister seit Gedenken, bekannt geworden durch seine weitblickenden Sparpläne für die Universitäten (Abschaffung der „Orchideenfächer“ wie Orientalistik, Numismatik, Archäologie), schwärmt bekanntlich für den „Aktionisten“ Nitsch; wir können nur hoffen, daß er das von ihm medial erwünschte Schüttbild des Meisters (in blau) endlich ankaufen lassen konnte. Obzwar sich die Elite linker Staatskünstler als undankbar erweist und an dieser Regierung (zu Unrecht wohl, wie wir nunmehr deutlich erkennen) kein gutes Haar läßt („Schüssel ist die wirkliche Kröte“, Zitat eines uns gänzlich unbekannten Paulus Manker, „Regisseur“, „Profil“, 7. Februar 2000). Immerhin werden den herausragenden Künstlern und Innen doch immer wieder stattliche staatliche Preise zuerkannt, so etwa am 1. März 2004 der von der Bundesregierung „gestiftete“ „Oskar Kokoschka Preis“ an Günter Brus, ebenfalls einen „Aktionisten“, der schon im Jahr 1968 durch öffentliches Urinieren und Defäkieren auf der Universität einen wertvollen Beitrag zum republikanischen Kulturschaffen hervorbrachte und der nun endlich, auch durch den „Großen Österreichischen Staatspreis“ im Jahr 1997 und kürzlich durch die Ausstellung seiner „Kunst“ in der Albertina — dort neben Dürer und Rubens — die dafür längst fällige Anerkennung erfährt; Preisgeld E 20.000.—. Auch eine wichtige GegenwartskünstlerIn, Valie Export genannt (1968 öffentliches Betasten-Lassen ihrer Brüste, schon damals FeministIn und ebenfalls „AktionistIn“) durfte schon im Jahr 2000 von der Regierung Schüssel den „Oskar Kokoschka Preis“ entgegennehmen, damals sogar 300 000.— Schilling. All jene „Künstler“ sollen übrigens, gemäß medialer Berichterstattung eine Idee unseres unvergleichlichen Ex-Bundeskanzlers Klima, weniger Steuern zahlen als normale Staatsbürger, sollen so etwa nur lediglich 25% ihres Einkommens versteuern müssen; die jetzige Regierung hat, wenn wir nicht sehr irren, wichtige Schritte in Richtung Verwirklichung dieses Projekts bereits unternommen. Und sie versichert auch immer wieder, daß sie der modernen „Kunst“ in all ihren Spielarten ihr besonderes Wohlwollen nicht versagen wird, was wohl auch die Meisterwerke modernster Bemalung signalisieren, vor denen die Mitglieder dieser Regierung so häufig zu posieren pflegen. Und wer „Künstler“ ist, bestimmen, wie stets, die fortschrittlichen Medien. Übrigens: wußten Sie, daß kritischen Einschätzungen zufolge auch niedrige Einkommen hierzulande, alles zusammengenommen, einer mehr als 50prozentigen Abgabenquote unterliegen, teils direkt, teils verdeckt? Lohn- und Einkommenssteuern, Sozialabgaben, diverse Gebühren, Fahrscheine für die öffentlichen Verkehrsmittel, Parkscheine, Posttarife, Mehrwertsteuer, Verbrauchersteuer, Energiesteuer, Benzinsteuer, Grundsteuer, Vermögenssteuer, Erbschafts­steuer, Schenkungssteuer, Getränkesteuer ... „Sparpakete“ I, II, ... VII, „Steuerreformen“ ... IV, V, ... XXXVIII. Ein Sparpaket, das interessanter Weise bislang nicht wirklich angedacht wurde, wäre die gänzliche Privatisierung all dieser wundervollen modernen „Kunst“; Streichung aller Förderungen für und Ankäufe von moderner „Kunst“ durch staatliche Mittel; Finanzierung des Burgthaters und des Volkstheaters und diverser sonstiger linker Bühnen ausschließlich aus den Einnahmen ihres eigenen „Kulturbetriebes“; Verkauf all der großartigen modernen „Kunst“- und „Kulturbauten“, welche die republik in den letzten zwanzig Jahren so engagiert um Steuergeld errichtet hat; Einsparung aller „Kokoschka“- und sonstiger staatlicher „Kunst“-Preise.

Förderkunstwerke

450 Millionen Schilling sagte im Jahr 2000 die Regierung Schüssel als Bundesbeitrag für das Projekt „Kulturhauptstadt Graz“ zu („Die Presse“ 26. Februar 2000). Jährlich fließen in das „Literaturhaus“ in Wien 25 Millionen Schilling aus dem „Kunstförderungsbudget“ des Bundes („Die Presse“ 2. Februar 2001). Die Pläne des „Mak“ (Museums für Angewandte Kunst), den Gefechtsturm im Arenbergpark „in einen riesigen Kunsttempel zu verwandeln, liegen fertig in der Schublade. Runde 380 Millionen Schilling soll das Vorhaben kosten … Das … Gebäude soll ein lebendiges Zentrum für zeitgenössische Kunst werden“ (“U-Express, 21. August 2001). Das Wissenschaftsministerium fördert die Erstellung eines „Frauenlexikons“, mehr als 100 Wissenschaftlerinnen sind in das Projekt eingebunden, „untersucht wird auch der außerakademische Bereich, in dem studierte Frauen neue Berufsfelder erschlossen, etwa Psychoanalytikerinnen, -therapeutinnen und Psychologinnen … Vor allem aus feminis­tischer Sicht ist das Lexikon ein Desiderat …“ („Standard“, 11. November 2000). „Die Abteilung Kinder- und Jugendliteratur, Budget: 12 Millionen Schilling, wird in Literatur und Verlagswesen, Budget: 141 Millionen Schilling, aufgehen, statt wie bisher zwei wird es nur mehr eine einzige Filmabteilung geben, dabei wandert die Förderung der künstlerischen Photographie mit einiger Vernunft vom Film zur Bildenden Kunst“ („Die Presse“, 2. Februar 2001 über die „Straffung“ der Verwaltung der „Kunstförderung der Republik“) — genauso haben wir uns Einsparungen und Verwaltungsstraffung immer vorgestellt. E 726 000,— spendiert im Jahr 2004 das rote Wien dem Jazzclub des Präsidenten-Klestil-Freundes und Bürgermeister-Häupl-Bekannten Zawinul („Die Presse“ 1. JUni 2004); nun wird uns deutlich, was Ex-Kulturstadtrat Marboe (Volkspartei) meinte, als er in einem Interview („Specs“ März 2001) sagte, er halte es für „... unerläßlich, daß Wien in allen Kunstbereichen ... im europäischen Wettbewerb in der obersten Liga mitspielt.“

Schlußbetrachtung

Der Zeit ihre Kunst; der Kunst ihre Freiheit; der Freiheit ihre Grenzen.