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Der alte Mann und die Politik – Otto von Habsburg zum 95. Geburtstag

Der Grandseigneur der Politik Europas, Otto von Habsburg, Erzherzog von Österreich, feierte 2007 seinen 95. Geburtstag. Zu sagen, daß er mitunter als umstritten gilt, wäre Verharmlosung, auch wenn derzeit keine massiven Polemiken gegen den Jubilar stattfinden. Zuletzt war der damalige Bundespräsident den spätherbstlich-hochrangigen Feierlichkeiten zum 90. in Wien ferngeblieben, wie man damals erfahren konnte; Otto von Habsburg, für mehr Österreicher der eigentliche Landesherr, als es den Funktionären der republik lieb ist, hatte ja anno 2000 deutliche Kritik anläßlich präsidialen Engagements im Kontext sogenannter „Sanktionen“ zur Verhinderung einer nichtsozialistischen Regierung geübt. Ein sanfter Dissens, vergleicht man mit Früherem. Wann immer der Habsburger in Jahrzehnten politischer Tätigkeit drohte, Wirkmächtigkeit zu entfalten, sah er sich haßerfüllter schärfster Hetze gegenüber, einmal mehr in Braun, dann wieder in Rot, vorrangig auf Rufmord, mitunter auch gegen Eigentum, Freiheit, Leben zielend. Eine abwechslungsreiche und auch abenteuerliche Biographie steht vor uns. Eine nicht gerade einfache Kindheit und Jugend während und nach dem Ersten Weltkrieg. Dann die historische Herausforderung einer durchaus möglichen Restauration in Österreich. Und dann der National-Sozialismus. Schließlich die Ära nach 1945, in welcher Europa sich unter kommunistischer Bedrohung wieder konsolidierte, freilich auch eine Entwicklung nahm, vor welcher der Habsburger mit den Worten warnte: „Europa wird Christlich sein oder es wird gar nicht sein“. In vielem war und ist der alte Herr von prophetischer Weitsicht: etwa in Bezug auf die Fragwürdigkeiten einer Appeasement-Politik gegenüber totalitärem Unrecht; in Bezug auf die Teilung Europas nach Jalta (von der Linken lange als unantastbar erklärt); in Bezug auf Bedeutung des abendländischen Reichsgedankens für die Gegenwart; in Bezug auf eine europäische Ordnung, die sich nicht nur an Wirtschaft orientieren soll, sondern Tradition und Bauerntum zu bewahren, sich föderativ zu gliedern und Kirche und Glauben zu respektieren hätte. Selbstverständlich hat Otto von Habsburg auch Fehler gemacht — wer macht sie nicht? Doch liegen diese gewiß nicht dort, wo sie die Linke behauptet. Weder waren des Hohen Herrn Bestrebungen, eine Restauration betreffend, unrealistisch oder gar illegitim; noch war sein Agieren im Exil „kontraproduktiv“ oder „sein Verhalten gegenüber Österreich“ nach 1945 (etwa im Kampf gegen seinen „Landesverweis“) „ungeschickt“. Und gewiß liegen sie auch nicht in den zahlreichen politischen „Unkorrektheiten“, welcher er sich im Laufe eines langen Lebens „schuldig“ gemacht hat, als da beispielsweise sind: sein Katholizismus, sein Antikommunismus, sein konsequentes Auftreten gegen die Abtreibung, die Kommentierung seiner „Verzichtserklärung“ als aberpreßt, seine Sympathien für General Franco, seine Kandidatur für die Csu des Franz-Josef Strauß. Faszinierend die Details des politischen Kampfes, so in den 1930er und 40er Jahren, als es um politisch effektive Vertretung und Organisation der Österreichischen Interessen und dann des Exils ging. Später dann die niedrigen Intrigen gegen seine Rückkehr nach Österreich. Konstanten antihabsburgischer Affekte werden deutlich, Politikern zuzuordnen wie Benesch oder den Exponenten des hiesigen Sozialismus. Die Biographie zeigt uns ein Leben voller Niederlagen — und doch auch subtiler Erfolge. Seine Verdienste für Österreich sind enorm — und werden bestritten. Sein Einsatz für andere ist bemerkenswert — und wurde mit politischem Undank vergolten. Die Abneigung galt nicht nur seiner Person; Otto von Habsburg wurde und wird als Verfechter eines Katholischen Gesellschaftsentwurfes angefeindet, so wie Dollfuß, Franco, Papst Pius XII. Sein lebenslanger Widerstand ist der des Katholiken gegen die Anmaßungen einer von Irrlehren gezeichneten Zeit gewesen, die sich, fälschlich und hoffärtig, für human hält; sein Konservativismus verweist uns auf die Bewahrung der Lebensgrundlagen. Und er hat bis heute nicht aufgegeben.

A. P.

EU-flambiert

Athen habe, vorzugsweise seiner schlechten Luft wegen, unter den Großstädten Europas eine besonders niedrige Lebensqualität, wie entsprechende Studien kürzlich erst festgestellt haben. Dies verwundert nicht, wenn man zugleich hört, daß eben vergangenen Sommer die Wälder in der Umgebung Athens in Flammen aufgegangen sind. Überhaupt dürfte es da in großen Teilen Griechenlands gebrannt haben; die schwersten Brände, seit es historische Aufzeichnungen gibt, wie zu lesen war. Und vehement gebrannt hat es auch in Süditalien und Sizilien. Und auf Sardinien. Und um Ragusa und auf Inseln in der Adria. Auch in Rumänien. Und in Frankreich. Und auf den Kanarischen Inseln. Ein Großteil dieser Brände sei gelegt worden, heißt es. Aus Gründen der Bauspekulation, heißt es. Eine besonders im südlichen Europa beliebte Form der Umwidmung von Grün- in Bauland. Ein rasches Verfahren, ohne lange die Behörden um Bewilligungen belästigen zu müssen. In Spanien habe es weniger gebrannt. Dort sind die für die Investoren besonders interessanten Landstriche an der Mittelmeerküste schon alle zugebaut. Und wenn sich erst die störenden Wälder in Rauch aufgelöst haben, entsteht dann — die „Mafia“ macht das, wie es heißt — vielerlei Bauwerk im inzwischen allgegenwärtigen Betonklötzchenstil. Offensichtlich aber scheint das dann von der Politik wohlwollend akzeptiert zu werden. Von unserer demokratisch-aufgeklärt-modernen Eu-Zeitgeist-Politik, die sonst ja aufgrund vielerlei Besorgnis ganz ungeniert in die privatesten Lebensbereiche oft und gerne „korrigierend“ eingreift. Da freilich nicht. Und auch hierzulande scheinen freizügigste Baumöglichkeiten in sinnvollerweise geschützten Grünlandbereichen für spezielle Fälle überhaupt kein Problem darzustellen. (An Graz derzeit gut verfolgbar; und in Grinzing am Stadtrand Wiens soll es einst Weingärten gegeben haben). Ob da der schöne alte Name Mafia mit moderner Politik im Europa von heute in einem Zusammenklang stehen mag?

Volkspartei urban linkswärts

Das Wort „urban“, seit den Jahren der Schüssel-Ära von hiesigen Politfunktionären auch ganz verschiedener Parteien gerne gebraucht, ist bei näherer Betrachtung seines eigentlichen Sinnes entleert worden und zum Trottelwort verkommen. Es steht mittlerweile für ein Konglomerat vager Begriffe wie „offen“, „aufgeschlossen“, „experimentierfreudig“, „unverklemmt“, „progressiv“, „globalisierungsorientiert“, „modern“, „zeitgemäß“ und so weiter. „Urban“ steht irgendwie für „links der Mitte“, aber nicht wirklich marxistisch, mehr am liberalen Ostküstenestablishment der USA orientiert, jedenfalls nicht mit den Traditionen des Abendlandes „belastet“. Ganz genau dort vermuten wir die geistige Positionierung der überwiegenden Mehrzahl der derzeitigen Politiker der Volkspartei. Das läßt sich schon lange durch Zitate gut belegen. Der steirische VP-Vizelandeshauptmann Schützenhöfer etwa erfreut uns mit dem Satz: „Ich glaube, daß in einer so dynamischen Zeit wie heute, wo die Globalisierung neben Risiken auch eine Vielzahl großartiger Chancen bietet, der Stillstand schon Rückschritt wäre. Daher sehe ich uns in der Landesregierung als Motor des Fortschritts.“ („Furche“ 5.7.2007). Der schon lange nicht mehr konservative Ex-Nationalratspräsident und frühere VP-Chefideologe Khol beklagt, daß hierzulande immer mehr Pfarren verwaist sind und hat als Paradeproblemlösung was zur Hand? Erraten, die sofortige Abschaffung des Zölibates, den er als „kirchliches, nicht biblisches bzw. göttliches Gebot“ bezeichnet. Als ob dieses Kirchliche Gebot nicht seine guten Gründe hätte, abgesehen vom Vorbild Jesu Christi selbst und von der Praktizierung und Hochschätzung des Zölibates seit den frühesten Tagen des Christentums, den sehr guten Grund etwa der größeren Unabhängigkeit und geringeren Erpreßbarkeit des Klerus von und durch weltliche Einflußnahme. „Warum nicht anknüpfen an den Erfahrungen der priesterlosen Pfarrgemeinschaften? Aus ihrer Mitte könnten zum priesterlichen Amt Berufene und Befähigte, ob verheiratet oder nicht, nach Einschulung zum Priester geweiht werden!“ (Zitat Khol, „Presse“ 11.8.2007). So einfach ist die Welt der Kirchenaufbegehrer. Und weil das alles schon im Protestantismus nicht funktioniert hat, wollen wir es jetzt endlich auch nachmachen. Frühere Historiker haben derlei kircheninterne Verfallsprozesse mit „Verweltlichung“ umschrieben, was sie in der Regel und zu Recht nicht positiv meinten. „Konservativ? Liberal? Für mich gilt es, die vordergründigen Gegensätze in diesem Begriffspaar aufzulösen“. So Josef Pröll, Leiter der VP-“Perspektivengruppe“, die Quadratur des Kreises beziehungsweise die völlige Gesinnungslosigkeit propagierend. VP-Sportstaatssekretär Lopatka sieht sich „im kulturellen Zusammenleben mit Zuwanderern als liberaler Mensch, der die österreichische Kultur nicht bedroht sieht“. Der steirische Vp-Clubobmann Drexler wiederum meint, philosophisch etwas dürftig, aber sehr bezeichnend: „Im gesellschaftspolitischen Sinne ist liberal modern und aufgeklärt, das ist der Bereich, in dem ich Liberalität gerne verwirklicht sehen würde“. Wer aber an Werten von gestern klebe und Wandel nicht zur Kenntnis nehme, sei ein schlechter Konservativer, wie Drexler weiter wiedergegeben wird. Noch unsinniger VP-“Frauenchefin“ Rauch-Kallat, für die „konservativ und liberal nicht zwangsläufig Gegensätze“ sind und Werte und Traditionen ständiger „Weiterentwicklung“ unterworfen seien, „weil Politik auch Antworten auf neue Lebenssituationen finden soll“, und die Volkspartei angeblich „seit Wolfgang Schüssel einen vernünftigen Weg der Mitte“ beschreite. (Alles Zitate aus „Presse“ 18.8.2007). Die Volkspartei, wenn wir das recht interpretieren, also heute: Partei des Relativismus und der Beliebigkeit, jeglicher störenden Grundsatztreue glücklich entkleidet, einen Weg des krassen und schamlosen Opportunismus beschreitend, der sich als „Mitte“ mißversteht, trefflicher freilich als Verrat an Volk und Land und Christlicher Weltanschauung gesehen und demgemäß geahndet werden sollte.

Urban light

Von einer erbaulichen Kontroverse soll berichtet sein, bei der wir ausnahmsweise die Partei des amtierenden sozialistischen Wiener Stadtrates für Bauwesen ergreifen wollen. Dieser hat, nachdem in seine Verantwortung ebenso teure wie großflächige Verschandelungen des Stadtbildes durch Straßenbeleuchtung im Stile des proletarischen Brutalismus fallen (besonders übel hier die Mißgestaltung des Schwarzenbergplatzes) nun aber in der Innenstadt und so auch am Ring wieder Teile der ästhetisch sehr qualitätvollen alten Laternenausstattung aufstellen lassen. (Repliken freilich, Laternenfuß Typus 1899 in altbewährter Kombination mit Laternenkopf Typus 1926, beides zueinander ausgesprochen gut passend; die wertvollen Originale allerdings wurden sinnigerweise von der Gemeinde Wien verschrottet). Jene Neuaufstellung wurde nun, auch vermittels medialer Unterstützung, vehement beeinsprucht. Vom nicht gerade für seine fachliche Kompetenz bekannten Direktor des Museums für Angewandte Kunst. Dieses (1866–1871 von Heinrich von Ferstel am Stubenring erbaut, das zweitälteste Museum für Kunsthandwerk der Welt) wurde im Verlauf des jetzigen Langzeitdirektorates bereits schwerstens verunstaltet, wobei sein (von Busek und Gehrer zu verantwortender) gut dotierter Direktor auch museumsübergreifend für idiotische „Kunst-Projekte“ berüchtigt ist (etwa die den guten Geschmack beleidigende Montage von Ork-Köpfen auf der Stubenbrücke). Der Direktor möchte nun, anstatt alte Laternen auf der Ringstraße aufgestellt zu sehen, viel lieber mittels Steuergeld finanzierter „Designer-Leuchten“ aus den Usa die Umgebung seiner Wirkungsstätte innovativ weiter verhäßlichen („Projekt urban light“). Der Baustadtrat aber (dabei kriecht die linke Kommunalpolitik bekanntlich vor den Verfechtern moderner „Kunst“) soll einfach Nein gesagt haben; vielleicht in einem Anfall von Kultur oder auch aus Enerviertheit ob der Penetranz gewisser „intellektueller“ Wichtigmacherei. Wir werden mit Interesse verfolgen, ob es bei dem Nein auch bleibt.

Heimat

Obwohl sich der linksextreme Narrensaum hierzulande seit etlichen Jahrzehnten das Deckmäntelchen seriöser ökologischer Anliegen umgelegt hat, glotzt doch oft hinter der Maske professoraler Güte der Bolschewismus hervor. Da brachten im Dezember 2007 die „Grünen“ Texte in die Öffentlichkeit wie: „Wer Österreich liebt, muß Scheiße sein“ oder „Heimat im Herzen, Scheiße im Hirn“. Als seinerzeit Patrioten (die „Döblinger Regimenter“, wie die Industrie feststellte) die Au von Hainburg gegen das Betoniertrotteltum verteidigten, nahmen diese jene Mühen auf sich, weil sie ihr Österreich liebten. Die Liebe zur Heimat meint ja ganz konkrete Liebe zu Menschen; meint Einbettung in Traditionen und Formen, die man als wertvoll und wegweisend erkannt hat und die sich einem eben hier, auf heimatlichem Boden, aufgeschlüsselt haben; meint Freude an überlieferter Kultur und landschaftlicher Schönheit und daß man all dies den Nachkommen erhalten wissen möchte; meint Erinnern an die guten Zeiten der eigenen Kindheit und Jugend und meint Achtung vor einer großen Geschichte dieses Landes und meint Altwerden in vertrautem Gehäuse und das Pflegen der Gräber der Ahnen. Jedes Kulturvolk dieser Erde liebt seine Heimat; nur Verbrecher und Wahnsinnige tun dies nicht. Daß keinerlei Regierungspartei oder Bundespräsident an der Causa Anstoß genommen hat, belegt, daß die republikanische Politik ein Haufen Dreck ist. Und jener Dreck, der derzeit am meisten zum Himmel stinkt, ist grün angestrichen.