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Seliger Papst Johannes-Paul II.

Der 1. Mai 2011 in Rom sieht in Gegenwart von über einer Million Pilger die Seligsprechung des großen Papstes Johannes-Paul II., des kraftvollen Glaubenszeugen und Lehrers, der Weltgeschichte schrieb und die Kirche inmitten ihrer großen Modernismuskrise dennoch in ersten Schritten aus dieser heraus ins 3. Jahrtausend nach Christi Geburt führte. Er wurde 1978 zum Stellvertreter Gottes auf Erden und Pontifex maximus gewählt; sein Wappen versinnbildlicht den Wahlspruch seines Pontifikates, „Totus tuus“, dem Marienlob des Ludwig-Maria Grignion de Montfort entnommen. Ein Satz wird zum Schlüssel seiner 27jährigen Regierung: „Habt keine Angst, öffnet die Tore weit für Christus“ — 1979 bei seinem ersten Besuch im damals noch kommunistisch unterjochten Polen gesprochen, markieren diese Worte den Beginn des siegreichen Aufstandes zahlreicher Völker Europas gegen die Zwangsstrukturen, die ihnen mit Beginn des Zweiten Weltkrieges auferlegt worden waren. Und sie markieren den Anfang jenes in erstaunlichem Maße auch erfolgreichen Kampfes Johannes-Pauls II. gegen die unumkehrbar scheinenden materialistischen Tendenzen einer von bösen Irrlehren heimgesuchten und immer mehr ultimativen Abgründen zusteuernden Welt. Auch nach dem Tod dieses Papstes sind seine Worte Ermutigung der Christen — keine Angst zu haben, sich zu Christus zu bekennen, keine Angst zu haben, zur Kirche zu gehören, keine Angst zu haben, vom Evangelium zu sprechen, keine Angst zu haben, die Wahrheit zu sagen. Dieser Papst hatte selbst den Mut, der Auseinandersetzung zwischen Christentum und moderner Welt nicht auszuweichen. In seinen Aussagen zur sozialen Frage beharrte er auf jenem dritten Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus, den bereits eine ganze Reihe seiner Vorgänger im Petrusamt in ihren Enzykliken gewiesen haben. Stets klar und kompromißlos seine Verurteilung des millionenfachen Mordes an den Ungeborenen. Prophetisch seine unnachgiebige Haltung in allen Moralfragen, wissend um die zentrale Wichtigkeit intakter Wegweiser. Zugleich intensivierte er die Bemühungen der Kirche, Brücken zu schlagen zu allen Menschen guten Willens, ungeachtet ihrer Herkunft und ihrer Religion. Und er gab noch bewundernswertes Zeugnis im schweren Leiden seiner letzten Jahre, blieb der Fels durch all die Stadien seinen körperlichen Verfalls, Trost für uns und Stärkung in unserer Heilszuversicht. Gewiß, es gab Schwächen in diesem Pontifikat: Der Kampf gegen Häresie und Apostasie und um die innere Disziplin und Stabilität der Kirche wurde nicht entschlossen genug geführt; Hoffnung vermittelnde Bischofsernennungen vermengten sich mit fragwürdigen Personalentscheidungen. Und anderes Unerfreuliches. Dennoch: Leben und Sterben dieses Papstes waren ein Triumph des Glaubens. Die Heilige Römische Katholische und Apostolische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der Welt — Johannes-Paul II. war ihr ein treuer Hirte, und diese Treue hat viele in ihren Bindungen an die Kirche bestärkt; sein Mut und Bekenntnis waren Vorbild in den weltanschaulichen Auseinandersetzungen unseres Lebens; sein Glaube war dankbar angenommenes Beispiel auch für unseren Glauben. Wie es sein Nachfolger im Petrusamt in der Heiligen Messe anläßlich der Seligsprechung formuliert hat: „Selig bist Du, geliebter Papst Johannes-Paul II., weil Du geglaubt hast“.

Antisemitismus und Pastoralamtsleitung

Von der von Erzbischof Schönborn unlängst neuernannten „Pastoralamtsleiterin“ der Erzdiözese Wien, sie gilt als „Feministin“, konnte man am 24.3.2011 in „Radio Stephansdom“ eine kurze Betrachtung zu den Worten Christi angesichts der Tränen der Frauen am Kreuzweg hören: „Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder“ (Lukas 23,28). Dieser Satz, so die uns mitgeteilte Erkenntnis der frisch eingesetzten Pastoralamtsleitung, habe „eine schlimme antisemitische Wirkungsgeschichte“ gehabt. Was soll uns das wohl sagen? Vielleicht ein Hinweis darauf, daß Christus diese Worte besser unterlassen hätte? War Christus hier unsensibel in seiner Aussage und politisch unkorrekt und wir dürfen diese pastoralamtsleitliche Betrachtung als „mutige“ Zurechtweisung des Heilands durch die frisch engagierte KirchenfunktionärIn betrachten? Sehr oft hat man mittlerweile leider den Eindruck, daß die trüben Wasser des Zeitgeistes so mancherlei heutige Theologie überflutet und dann weggeschwemmt haben. Christen haben nicht nur Unrecht begangen, sondern Christen wurde und wird auch Unrecht zugefügt, und es wäre hoch an der Zeit, die Mechanismen einer antichristlichen Wirkungsgeschichte, in unserer Gegenwart höchst präsent, zu erkennen und zu bekämpfen. Auch die Verächtlichmachung der Kirche durch ihre eigenen apostatischen Funktionäre ist ein schweres Unrecht und die sattsam bekannten einseitigen Schuldzuweisungen in verlogener Anklage gegen den Katholizismus. Was man besonders PastoralamtsleiterInnen nahebringen sollte.

Von Diebstahl und Betrug

Der derzeitige Bürgermeister von Wien ist Sozialist und einer der führenden Politfunktionäre dieser an Lieblichkeiten so überreichen lieblichen republik. Bei der hiesigen großen öffentlichen Proletarierversammlung zum 1. Mai, bei welcher in der Regel nicht des Tagespatrons, in diesem Fall des Heiligen Joseph, gedacht wird, sondern gewisser anderer und wahrscheinlich unheiliger Dinge, da also sprach der Bürgermeister und dies geschah am Rathausplatz von Wien, und des Funktionärs wuchtiges Doppelkinn rundete ein Bild ab, das den Charme von Ostblock, Kollektivismus und Plattenbauten verströmte. Und der Bürgermeister wurde dann mit folgenden zwei inhaltlich interessanten Sentenzen zitiert. Zunächst mit dem Hinweis, daß bis 2006, anscheinend war dies auf das Regime von Bundeskanzler Schüssel bezogen, die „republik bestohlen“ und die „Arbeitnehmer betrogen“ wurden. Wir werden dieser Analyse gewiß nicht widersprechen, doch dürfen wir an dieser Stelle festhalten, daß das schon lange unser Eindruck ist, und zwar schon seit dem Jahr 1970, dem Beginn der linken Machtübernahme im Land. Und wir glauben auch nicht, daß sich seit 2006 daran irgend etwas geändert hat. An jenes erste Zitat reiht sich ein weiteres: „Die Reichen brauchen uns nicht“. Sehr richtig. Wer braucht schon in des Wortes eigentlicher Bedeutung einen Sozialismus. Dazu sollte man überdies verinnerlichen, daß heutzutage zu den Reichen vorzugsweise die Politspitzen der diversen Linksparteien zählen; hierzulande und überall in Europa. Und wie hoch, da wir gerade über jenes Thema meditieren, mögen wohl die Bezüge des sozialistischen Bürgermeisters von Wien sein? (Ein anderer Bürgermeister Wiens, der Christlich-soziale Karl Lueger, verzichtete als Stadtrat, Vizebürgermeister und Bürgermeister auf die Hälfte seines Gehalts zugunsten anderer, aber das war noch in der guten alten Zeit und er war ja auch ein Katholisch-Konservativer). Post scriptum: Der in New York unlängst von der Polizei weltpressewirksam gehandhabte Direktor des „Internationalen Währungsfonds“ (Suborganisation der „Vereinten Nationen“, sehr bekannt durch Verordnung von „Sparkursen“), der dort Hotelsuiten um 3000,- Dollar bewohnte, in zahlreichen Ländern den Status eines Staatschefs genoß und eine Million Dollar als Kaution für seine Freilassung bieten konnte („Standard“ 17.5.2011), der über ein Jahreseinkommen von 295 000,- E, steuerfrei ausbezahlt, und weitere 53 000,- E jährliche „Aufwandsentschädigung“, ebenfalls steuerfrei, verfügte, und über große Wohnungen in Paris und eine Villa in Washington und eine Residenz in Marrakesch („Spiegel“ 23.5.2011), dieser Krösus gehört selbstverständlich zur Linken in Frankreich und galt bis zum grandiosen Skandal als ihr global bejubelter Kandidat für die dortigen Wahlen zum Staatspräsidenten.

Richtiger Ansatz, falsche Durchführung

Einer der Grundsätze wirklich konservativer Politik ist das Bestreben nach Herstellung der richtigen Balance zwischen den staatlichen Angelegenheiten und den privaten. Das klingt harmlos, ist aber eine der umstrittensten politischen Fragen seit der französischen revolution. Der Sozialismus etwa war und ist stets bestrebt, den staatlichen Zugriff auf die von ihm betroffenen Bürger nach Möglichkeit auszuweiten; die hiesige aktuelle Schul-Debatte beispielsweise zeigt besonders deutlich die recht unverhüllte Absicht, die Erziehung der Kinder aus der Familie heraus und in die Hände linker Pädagogen hineinzuverlagern. Denn die Linke wünscht alle Lebensbereiche umfassender staatlicher Kontrolle und weltanschaulich-kollektivistischer Bevormundung zu unterwerfen — ein totalitäres Konzept, das den Einzelnen von der Wiege bis zur Bahre in Abhängigkeit von der Funktionärskaste bringt, die sich ihrerseits für die authentische Repräsentanz des Staates hält. Eine Kaste, die außerdem ein bißchen zur Korruption neigt (die Causa „Lucona“ ist ein kleines, aber zeitlos hübsches einheimisches Beispiel, die aktuellen Verhältnisse in Griechenland sind ein mehr europäisch dimensioniertes). Wirksame Opposition gegen diese Tendenzen zum Ausbau staatlicher Übergriffe ist uns weitgehend abhandengekommen, wie die Übernahme fast aller linken Positionen durch „bürgerliche“ Politiker etwa in den Schulangelegenheiten zeigt. Und in vielen weiteren Fällen. Dieses „bürgerliche“ Lager war einst eine Bewegung, die tatsächlich auch wirkliche Staatsmänner hervorgebracht hat — in grauer Vorzeit. Jetzt kann von Staatsmännern ja gar keine Rede mehr sein und das Übriggebliebene mag man mit Begriffen wie verwaschene Inkompetenz, radikale Mittelmäßigkeit und liberale Beliebigkeit umschreiben. Lange genug hat man dort auch mit dem Sozialismus bei der Absandelung des Landes kollaboriert. Ab und zu freilich finden dennoch, selbst unter heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen, gute Ideen über rätselhafte Seitenwege Eingang in die Politik. So etablierte sich schon vor Jahrzehnten, sogar in dieser republik, der Gedanke von der Ausweitung des Privaten und der Eingrenzung des Staatlichen. Nach allzulangen Jahren, in denen die Heimat unter sozialistischer Dominanz und weitreichender Umsetzung extremistischer Gesellschaftsversuche zu leiden hat, wäre das an sich ein ganz großartige Ansatz gewesen — hätte man etwas daraus gemacht. Das Lager „urbaner Bürgerlichkeit“ war dazu freilich nicht in der Lage. Obwohl es mittels schmieriger Tricks (oder auch geschickten Taktierens, das mag man auch so sehen) endlich wieder zu Steuerruder und Futtertrog gelangt war, brachte man trotz einiger richtiger Leitideen lediglich die gleichen desaströsen Regierungsergebnisse hervor, wie der koalitionäre Haupt-Lebensabschnittspartner, nur mit anderem Vorzeichen. (Zahlreiche Österreicher dürften schon lange den Eindruck einer umfassend-parteiübergreifenden Trottel- und Verbrecherwirtschaft haben). Anders formuliert: Privatisierung falsch angewendet ist auch falsch.

Privatisierung, also Ausweitung des Privaten und Eindämmung überbordender Staatlichkeit, meint etwa nicht den Verkauf des familiären Tafelsilbers um einen Bettel und dann den Einsatz des (wenn auch lachhaft geringen) Erlöses zur Anschaffung von noch mehr unsinnigem Spielzeug, absdrusen Geschenken und pornographischen Filmen — um einen zwar sehr bildhaften, aber doch naheliegenden Vergleich mit der republikanischen Politik darzubieten. Im Jahr 2001 wurde, nur ein Beispiel von vielen, die florierende „Austria Tabak“ von der Regierung Schüssel an den britischen Tabakkonzern „Gallaher“ verramscht; das zur Tabakregie gehörende Tabakmuseum übrigens gleich mit. Das Tabakmuseum, unvergleichlich vom Rang und dem Alter seiner Bestände her, wurde liquidiert; „Gallaher“ selbst an die „Japan Tobacco“ verkauft. Und diese machte jetzt soeben auch Schluß mit der Zigarettenproduktion in Österreich (über 300 Entlassungen, wie man liest). Ein seit der Kaiserzeit bestehendes Kapitel erfolgreicher Österreichischer Wirtschafts- und faszinierender Kulturgeschichte scheint Schritt für Schritt zu Ende zu gehen. „Privatisierung“ im Stile Schüssel-Grasser. Eingebracht hat uns diese „bürgerliche“ Politik der eifrigen Verramschung und des „Sparens“ am falschen Platz dennoch fortgesetzte hohe Ausgaben für diverse Fragwürdigkeiten bei starker Verminderung kostbaren Staatsbesitzes und zugleich keine Sanierung des Budgets. (Das Kabinett von Vizekanzler Spindelegger, wie man so erfährt, möchte diesen Kurs umfangreichen Ausverkaufs von Staatsbesitz nun fortsetzen). Sanieren ist ja auch viel schwieriger als Verschleudern und Geldausgeben. Dem Staat bringen, an sich eine plausible Überlegung, seriös durchgeführte Privatisierungen zusätzliche Einnahmen, die er etwa zum Schuldenabbau verwenden kann. Wenn man das richtig anfängt, ist es ein Gewinn für den Staat, ohne daß es ein Verlust für den Käufer sein muß. Man kann das alles freilich auch ganz anders machen. Die Beispiele zeigen es. Nach intensivem evaluierendem Nachrechnen wird nun allmählich deutlich, daß die aufgrund der umfassenden „Privatisierungen“ der letzten Jahre verminderten Staatseinnahmen (so unter anderem der Ausfall der einst ertragreichen Tabakregie, oder das Verlieren von Gewinnanteilen durch Teilverkauf von Post und „Telekom“ und „Omv“) in Vergleich gesetzt zur Verringerung der Staatsschulden, massive Verluste ergeben dürften. Auch der Erlös aus den Verkäufen von Bundesimmobilien soll in keinem akzeptablen Verhältnis zu jetzt dort erzielbaren Mieten bzw. hervorgerufenen Kosten stehen. Man hätte also besser nicht „privatisiert“, jedenfalls nicht auf diese Art; beibehaltene Einnahmen hätten offenbar die Staatsschuld stärker verringert, als das durch die diversen Veräußerungen möglich war. Das „bürgerliche Lager“ hat also, wie man somit wohl annehmen muß, auch als „Wirtschaftspartei“ abgedankt, mag es sich auch als Erfüllungsgehilfe beim Bedienen fragwürdiger Interessen zweifelhafter Lobbies überaus bewähren.

Die Sozialdemokratie sowieso und leider längst auch die Volkspartei legen zu Beginn des 21. Jahrhunderts den Vergleich mit Pest und Cholera nahe. Remedur ist überfällig.