Splitter

Von Briefmarken

Die hiesige Post-Aktiengesellschaft hat 2011 nicht nur das Porto für Briefsendungen und Zeitungsversand exorbitant erhöht, sie hat auch eine neue Markenserie herausgebracht; selbstklebend. Zitiert aus der Postwerbeschrift für die „neuen Briefprodukte“: „Moderne und zeitgenössische Architektur bilden in Zukunft den Standard für die neue Dauermarkenserie ... die Marken werden zehn österreichische und zwei internationale Bauwerke mit Österreich-Bezug für zeitgenössische Kunst zeigen.“ Alles planzeichnungsartige Darstellungen auf trübselig wirkendem farblichem Hintergrund. Moderne „Architektur“ bietet bekanntlich selten einen erfreulichen Anblick. Weltweit überzieht sie diesen Planeten mit einer Kruste der Häßlichkeit. Dementsprechend sehen die neuen Marken auch aus, auf welchen die lokalen „Highlights“ jener gänzlich unnötigen, aber doch gewiß außerordentlich kostenintensiven „Kulturbauten“ der letzten Jahrzehnte präsentiert werden; die überwiegende Zahl von ihnen wohl aus dem nie versiegenden Born der Steuergelder finanziert. „Die Post Ag setzt mit diesen neuen Dauermarken ein Zeichen ... “, wie sie selbst meint; leider ein falsches.

Schönborniaden

Es ist betrüblich für den Katholiken, sich im Gegensatz zu seinem Erzbischof zu befinden. Leider waren die Jahre seiner Amtsführung in Wien katastrophal. Christoph Schönborn trägt maßgebliche Verantwortung für den schlechten Zustand der Kirche in Österreich. Ganz seiner Meinung sind wir allerdings in Bezug auf den arbeitsfreien Sonntag. Und gefreut haben uns auch seine im April geäußerten Worte gegen die „Euthanasie“-Planungen in Europa. Leider hat er diese Erklärung zusammen mit Landau von der „Caritas“ abgegeben. Warum nicht mit dem hier sehr sachkundigen Bischof Andreas Laun? Hat dies damit zu tun, daß „Caritas“-Direktor Landau als Exponent einer radikalen Progressivströmung in der heimischen Kirchenlandschaft gilt, Laun hingegen als Rom-treu und traditionsorientiert? Nicht nur Landau wird häufig und stets positiv in den großen Medien genannt und glänzt an des Erzbischofs Seite. Auch für andere „Caritas“-Funktionäre gilt dies, und seit langem sind diese ja durch die Verknüpfung von Humanitätsgetue mit scharf linken Positionierungen bekannt. Da meldet sich etwa „Caritas“-Präsident Küberl zur aktuellen Schuldebatte und spricht sich glatt für „ganztägige Schulformen“ aus; „die Nachhilfe müsse in den Schulen erfolgen“; „Lehrer müßten den ganzen Tag in der Schule anwesend sein“. Erkennen wir da den linken Wunsch nach der zwangsweisen Ganztagsschule (über welche man den totalitären Zugriff einer immer extremer werdenden Progressiv-Pädagogik auf möglichst alle Kinder des Landes durchzusetzen wünscht)? Und wo äußert sich Präsident Küberl fortschrittlich zur Schulpolitik? „Natürlich“ in Eminenz Schönborns Kirchenzeitung („Der Sonntag“ 15.5.2011). Auch der linkslinke ehemalige Monsignore Schüller (auch ehemals leitender „Caritas“-Funktionär) darf dort nicht fehlen. In gleicher Ausgabe interpretiert er das Evangelium (Spalte „Das Wort zur Schrift“). Ausgehend vom Herrenwort „Ich bin die Tür ...“ (Johannes 10,7) erklärt Schüller: „An und rund um Türen gibt es auch die Versuchung zu Machtspielen. Wer öffnen und schließen kann, hat Macht. Kann mit Eintrittsbedingungen wuchern, auswählen, wer des Eintretens würdig ist. Oder auch gefangen halten, über wen man Macht behalten will. Jesus war und ist anders ... Keine Machtspiele ... Einladung und Ermunterung ... ihr könnt es auch sein. Füreinander Türen herein und hinaus. Ohne die Machtspiele der großen Schlüsselbünde.“ Soweit Schüller. Und wenn wir nun unsererseits diesen Text auslegen, würden wir meinen, hier einen Klassiker linker Evangelien-Fehldeutung vor uns zu haben, das Konstruieren eines Gegensatzes von Jesus („war und ist anders“) zu Seiner Kirche („große Schlüsselbünde“, „Machtspiele“), die sympathisch klingende und wohl zunächst nicht falsche Ermunterung, gleichsam Jesus in den Mund gelegt, „füreinander Türen“ zu sein — freilich ohne die „Machtspiele“ (des traditionellen Klerus, der Kirchlichen Hierarchie); „wir“ (die „mündigen Laien“) brauchen also diese „Machtspiele“ (der Kirche) nicht, wir sind bessere Christen ohne die „großen Schlüsselbünde“ (die Papst und Klerus handhaben). Da gibt es freilich noch andere Christusworte, die in dieser Ausgabe von Schönborns Kirchenzeitung aber nicht vorkommen; etwa: „Du bist Petrus ... und ich will dir des Himmelreiches Schlüssel geben ... alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“ (Matthäus 16/18-19). Machtspiele? Jesus ist anders? Oder hat der Ex-Monsignore Schüller hier etwas übersehen? Oder gar weggelassen, was in Wahrheit nicht selbstangemaßte Macht des Papstes, sondern von Christus her auferlegte Verpflichtung ist? Denn der Schlüsselbewahrer treibt nicht Machtspiele, sondern wacht, schützt, weist den Weg, rettet. In der Tat, der Papst hat die Schlüssel; selbsternannte „Basis“-Oberlaien und „Pfarrer-Initiativen“ haben sie nicht. Schüller ist nicht nur gut für kernige Worte, er ist auch „Mitbegründer“ der rebellischen „Pfarrer-Initiative“ (die soeben einen „Aufruf zum Ungehorsam“ veröffentlicht hat) und fordert überdies schon auch einmal den Rücktritt des Papstes, angesichts nämlich des vom liberalen Establishment gegen den Katholizismus losgetretenen gegenwärtigen Kulturkampfes in den Usa, wenn die im Zuge davon erhobenen „Vorwürfe“ gegen den Papst in Zusammenhang mit „Mißbrauchsfällen“ nicht „Aufklärung“ fänden. „Wenn das nicht in allernächster Zeit klar gestellt wird, dann muß der Papst zurücktreten“ (Schüller-Originalwunsch, bislang nicht erfolgreich, zitiert nach „wienOrf.at“ 9.11.2010).
Eine lange Reihe kritischer Äußerungen Schönborns sind uns erinnerlich: Kritik an (eher konservativen) Mitbrüdern im Amt wie Kardinal Groër, Bischof Krenn, Bischof Laun; Kritik an unangenehm effizienten Abtreibungsgegnern (Salzburg); Kritik an freiheitlichen Präsidentschaftskandidaten (2010). Keine kernigen Maßnahmen mehr und kritischen Anmerkungen Schönborns allerdings gegenüber Schüller. Dieser ist immer noch Pfarrer im zur Erzdiözese gehörenden Probstdorf und Universitätsseelsorger und darf, zu all dem erkennen wir keinen Einspruch des zuständigen Erzbischofs, „Initiativen“ begründen, Rücktrittsaufforderungen aussprechen, Auflehnung propagieren, dennoch prominent in der Kirchenzeitung schreiben, und dies und das und vielerlei anderes.

Ein „Masterplan“ „wächst heran“ (Leitartikel im „Sonntag“), drastische Strukturänderungen in der Kirche in Österreich ankündigend. „Zur Gestaltung dieses Prozesses“ ist von Schönborn eine „Steuerungsgruppe“ eingesetzt, die „eng“ mit ihm „Schritte“ planen wird, die „zur komplexen Wirklichkeit unserer Diözese passen.“ (Hirtenbrief vom Mai 2011). Was genau das Vorhaben der Eminenz ist, bleibt verborgen; klare Aussagen sind bekanntlich Schönborns Sache nicht; etliche Details geben Anlaß zu Besorgnis: vom „Weg der Erneuerung“ ist die Rede, den „das Konzil“ angeblich wollte; auf den „rasanten gesellschaftlichen Wandlungsprozeß“ wird verwiesen, an den man offenbar unbedingt Anschluß gewinnen möchte und in den man anscheinend keinesfalls korrigierend einzugreifen gedenkt; Bereitschaft wird eingemahnt, „zur heutigen Situation wirklich ja zu sagen“ (wir würden dazu eher Nein sagen); mehrfach wird die Leitung Kirchlicher Gemeinden durch Laien angekündigt, „Teams im pastoralen Dienst“ aus Priestern und Laien sind in Aussicht gestellt; vom Aufgeben von Bisherigem wird gesäuselt, um „Neues zu wagen“. Dürfen wir all diese umfassende Laisierung und Verweltlichung als „Lösungsansatz“ für das Problem eines selbstverschuldeten Niedergangs ansehen? (Auf abschüssiger Bahn auf’s Gas steigen, um rascher über die Klippe zu stürzen)? Und wer befindet sich in jener „Steuerungsgruppe“? Wer konkret lenkt? Müssen wir annehmen, daß wir dort die Namen Schüller, Landau, Küberl wiederfinden? Von klar konservativer Seite scheint niemand am Steuer zu sein, das wäre uns wohl aufgefallen.

Unter dem linksverdrifteten Kardinal König wurde dem heimischen Katholizismus sozusagen das Kirchendach abgetragen (der hiesige Rotfunk hat ihm zu Fronleichnam ein hymnisches „Dokudrama“ gewidmet — sage mir, wer dich lobt, und ich sage dir, wer du bist); unter Kardinal Schönborn werden jetzt die Mauern weggerissen.

Kunstpisse

Zu den modernen Briefmarken die passenden Kunstwerke. Die lachsrosa Gazette veröffentlichte bewerbend (19.4.2011) das Portrait des schelmisch lächelnden „Us-Künstlers“ neben seiner „Kunst“, einem Kruzifix in einem Behälter, eingetaucht in des Kunstschaffenden eigenen Urin, wie man liest. Es mag sich dabei auch bloß um eine Photographie dieses Meisterwerks handeln, Genaueres kann man nicht erkennen. Ausgestellt wurde das Werk in Avignon, im schönen Südfrankreich, in einem „Kunstzentrum“ eines für derlei aufgeschlossenen Mäzens. Freilich nicht lange. Der französische Katholizismus scheint etwas militanter zu sein als der hiesige; vielleicht Erbe langer Kreuzfahrertradition. Vier Normannen, pardon, Herren mit „Messern, Hämmern und Sonnenbrillen“ besuchten die „Ausstellung“, drückten ihr Mißfallen mit dem da Gesehenen aus und „schlugen die Plexiglasscheibe des Ausstellungswerkes ein, zerschnitten und verwüsteten es“ und „bedrohten“ überdies die „herbeieilenden Wächter“, die sich offenbar nicht in der Lage sahen, der Katholischen Performance Einhalt zu gebieten. Sogar der Erzbischof von Avignon hatte die Abhängung des „abscheulichen Bildes“ gefordert, für ein Mitglied des europäischen Episkopats der Gegenwart ziemlich bemerkenswert. In kurzer Zeit waren überdies mehrere tausend empörte Bürger vor der Stätte der „Kunst“ versammelt, die der erzbischöflichen Anweisung Nachdruck verliehen. Und also ward das „Kunstwerk“ dann auch tatsächlich abgehängt. Der französische „Kulturminister“ äußerte sich betroffen über „Intoleranz“; die Polizei ermittelt (aber möglicherweise unwillig, wie man aus Frankreich hört); der Mäzen fühlt sich „per Telephon und Internet“ verfolgt und meint, daß „das Mittelalter“ in „großen Schritten“ zurückkehre. Eine interessante Beobachtung, die wir selbst noch nicht feststellen konnten, aber vielleicht hat dieser Transformationsprozeß (ähnlich wie die Gotik) in Frankreich früher eingesetzt und kommt erst allmählich zu uns? Da würden sich mancherlei Intoleranz-Problemfälle dann natürlich von alleine lösen — gewisse „Kunstwerke“ würden erst gar nicht aufgehängt, gewisse Theaterstücke und Filme erst gar nicht aufgeführt, gewisse „Literatur“ und Karikaturen erst gar nicht erscheinen. Man bedenke die Einsparungspotentiale.

Zitat

Anläßlich derzeitiger Pöbelcampagnen diverser Atheisten in Erinnerung gerufen: „Mit dem Aufhören der Gottesfurcht beginnt die Entfesselung aller Leidenschaften und die Herrschaft einer Sinnesart, welche die Welt mit einer Sündflut von Blut überschwemmen wird.“ Gottfried-Wilhelm Freiherr von Leibnitz, 1646 – 1716, Begründer der Differentialrechnung und der Akademie der Wissenschaften in Berlin.

„Mafiaparagraph“ und „Terrorgesetz“

Die von den urban-aufgeschlossenen Intellektuellen hierzulande gar nicht gemochte Frau Landesrat Barbara Rosenkranz hatte früh bereits auf den Übelstand hingewiesen, daß Gesetze wie etwa jenes gegen den National-Sozialismus durch verwaschene Formulierungen zu politischem Mißbrauch gegenüber oppositionellen Kreisen einladen. Dieser Hinweis wurde ihr von der Linken so lange öffentlich übelgenommen, bis die Linke mit einem Prozeß gegen selbst eher linksstehende Tierschützer konfrontiert war. Da erkannte plötzlich auch das linksfortschrittliche Intelligenzblatt die Problematik unscharfer gesetzlicher Bestimmungen. Tierschützer oder doch Verbrecherbande? Unklarheiten, die sich auch aus Formulierung und Handhabung des „Mafiaparagraphen“ selbst ergeben haben dürften. Unfähigkeit der verantwortlichen Funktionäre? Versuchsprojekt einer politisch gelenkten und korrupten Justiz? Auch die Bestimmungen gegen „Verhetzung“ erscheinen recht schwammig, sind aber momentan eher nicht medialer Kritik ausgesetzt, da sie ja vorzugsweise gegen „Rechtspolitiker“ zur Anwendung gebracht werden (aktuelles Fallbeispiel ist das Moscheen-Wegmach-Spiel einer etwas unangepaßten steirischen Landespartei), während wesentlich drastischere Tatbestände dieser Art, von Seiten der Linken her verübt, recht regelmäßig von der Justiz übersehen werden oder als „freie Meinungsäußerung“ rasch jeglicher Bestrafung entzogen sind. Nunmehr wollen Vp-Innenministerin und Vp-Justizministerin dringlich weitere gesetzliche Bestimmungen durch „Novellierung“ verunklaren, jene nämlich gegen „Terrorgruppen“. „Auch die Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat (Paragraph 278f) sowie die Aufforderung zur und Gutheißung von terroristischen Straftaten (Paragraph 282a)“ sollen alsbald unter Strafe stehen („Standard“ 24.6.2011). Was wird einen da wohl alles künftig vor die politisch bekannt neutralen heimischen Gerichte bringen? Wenn ein aufgebrachter Hochschulprofessor der Technik in Wien, in Würdigung der Kompetenz einer bildungspolitisch zentralverantwortlichen Persönlichkeit, seinerzeit wutentbrannt äußerte: „Nackt über den Ring peitschen, mit einem Schild um den Hals, „spuckt mich an““ — ist dies dann die Anleitung oder Aufforderung zu einer terroristischen Straftat? Oder fällt das nicht eher doch unter berechtigte Notwehr? Und wenn ein unerwartet den Rahmen der politischen Korrektheit überdehnender Journalist die ganz unziemliche Frage stellt, welcher der „Schuldigen an der jetzigen europäischen Finanzkrise“ eigentlich ins Gefängnis gehe, ist das dann „Verhetzung“? („Presse“ 24.6.2011). Zumal er tatsächlich auch noch schreibt: „Denn wer etwa für den völlig ungerechtfertigten und betrügerisch erschlichenen Beitritt Griechenlands zur Eurozone die Verantwortung trägt, ist eher leicht nachvollziehbar ... kann ebenso leicht erhoben werden, wie Name und Anschrift jener — auch österreichischen — Regierungschefs, die damals die Griechen in die Eurozone durchgewinkt ... und damit einen ganz wesentlichen Grundstein für das heutige Desaster gelegt haben ... Die Vorstellung, es könnte so etwas wie ein Tribunal für die Schuldigen der Weltwirtschaftskrise geben, werden vermutlich immer mehr Bürger Europas recht attraktiv finden, wenn sie um ihre Ersparnisse bangen müssen.“ Ein schwerer Fall von „Verhetzung“ also oder vielleicht doch berechtigte Kritik, die baldigst europaweite Umsetzung finden sollte? Fragen über Fragen in eine ungewisser werdende Zukunft hinein.