Gesellschaftspolitik 2011

 

Von Österreichs Schulwesen und seinen Feinden


Es war einmal

Um 1900 zählten die Universitäten und Hochschulen Österreichs zu den besten der Welt. Das war, bevor auf ihnen „Gender“-Studien eingeführt und unfortschrittliche akademische Denkmäler besudelt wurden. Um 1900 zählte auch das allgemeine Österreichische Schulwesen zu den besten der Welt; ein Umstand, welcher das Jahr 1918 erfreulich lange überdauert hat, nun aber seinem Ende entgegengehen dürfte.

Die Entstehung der Schule hierzulande geht nicht auf die linken Europa-„Bildungs“-Polit-Agitationen mit „Pisa“-Test und „Bologna“-Prozeß zurück, sondern reicht ins Mittelalter und ist den Klöstern zu danken. Wie bei so vielem, so ist auch hier die Kirche jene Institution im Abendland (und nicht nur dort), welche die Grundlagen geschaffen hat — mit ihren Kloster- und Domschulen, auf welchen spätere Generationen aufbauen konnten. Die große Kaiserin Maria-Theresia schließlich reformierte das Schulwesen, etwa auf Anregung von Fürstbischof Firmian von Passau, da es nun neuen Anforderungen und einer dichteren Bevölkerung gerecht zu werden hatte. Womit wir uns bereits jenem dreistufigen Bildungssystem gegenübersehen, mit der allgemeinen Volksbildung als Basis, den Gymnasien als weiterführender Einrichtung und den Hochschulen und Universitäten als Abschluß, so, wie wir das im Grunde heute noch haben. Als Weichenstellungen der Theresianischen Schulreform sind die Theresianische Schulbefragung, dann 1760 die Einrichtung einer Studienhofkommission und schließlich 1774 der Erlaß der Allgemeinen Schulordnung zu nennen. Die geregelte Heranbildung eines staatlichen Lehrkörpers, die Einführung einer überprüfenden Schulaufsicht und damit die allgemeine Sicherung eines akzeptablen Unterrichtsniveaus, die Bereitstellung einheitlicher Schulbücher, der Klassenunterricht, die Schulpflicht, die Unter- und Oberstufe des Gymnasiums, die Einrichtung diverser fachspezifischer Hochschulen (Theresianische Militärakademie 1752, Orientalische Akademie 1754) — alles Maria-Theresia. Das Biedermeier erweiterte mit dem Joanneum in Graz (1811) und dem Polytechnischen Institut in Wien (1815, heute die Technische Universität) das Angebot an höheren Fachschulen, was unter Kaiser Franz-Joseph umfassend fortgeführt wurde (etwa: Hochschule für Bodenkultur 1872, Montanistische Hochschule in Leoben 1904, Hochschule für Welthandel 1915, heute Wirtschaftsuniversität). Die Schulentwicklung wurde dann maßgeblich durch den K. K. Minister für Kultus und Unterricht, Leo Graf Thun-Hohenstein, geprägt, den der Kaiser 1849 berief, wobei ab da kontinuierlich der Ausbau der Volksschule und eine dauerhafte Gymnasial- und Universitätsreform durchgeführt wurden. Maßnahmen, die sich bis heute bewährt haben und die als Fundament sowohl einer in Österreich bis jetzt relativ weitverbreiteten hohen Allgemeinbildung als auch höchster wissenschaftlicher Leistungen anzusehen sind. Die Volksschule mit den Gegenständen Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, Gesang, Handarbeiten, Turnen sowie einem ersten Unterricht (dem Fassungsvermögen der Kinder angepaßt) in den Fächern Geschichte, Geographie und Naturkunde (mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse des Vaterlandes); die Einführung der Bürger- beziehungsweise Hauptschule als Fortführung, Erweiterung und Vertiefung des Volksschulunterrichts; das achtklassige Gymnasium mit Matura, seinem geläufigen Fächerkanon aus humanistischen und realistischen Unterrichtsgegenständen und einer Differenzierung nach Fachschwerpunkten (Einführung des Realgymnasiums); eine bis heute wegweisende Ordnung der staatlichen Lehrpläne und des Lehrerdienstrechts — alles die Kaiserzeit. Damals bedeutete „Reform“ eben noch tatsächliche Verbesserung. Zwei Zitate mögen die dabei vorherrschende Geisteshaltung verdeutlichen: „Die Volksschule hat zur Aufgabe, die Kinder sittlich-religiös zu erziehen, deren Geistestätigkeit zu entwickeln, sie mit den zur weiteren Ausbildung für das Leben erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten auszustatten und die Grundlage für Heranbildung tüchtiger Menschen und Mitglieder des Gemeinwesens zu schaffen.“ (Reichsvolksschulgesetz 1869). „Die Aufgabe des Unterrichts ist, alle geistigen Fähigkeiten der Kinder anzuregen und die lebensfreudige Entwicklung des Gemüthes zu fördern …“ (Ergänzender Erlaß zur Volksschule 1884).

Dieses Schulsystem hat wesentlich beigetragen, Österreich zu einem Hort der Bildung und Kultur zu machen. Dieses Schulsystem soll nun nach vier Jahrzehnten der sozialistischen „Dauerreform“ im Bildungsbereich (im wesentlichen als kleinteilige, aber kontinuierliche Abbruchaktivität anzusehen) vollends ruiniert werden. Die diesbezügliche Politik des „bürgerlichen“ Koalitionspartners wird man hierbei wohl als Beihilfe zur Eliminierung aufzufassen haben.

Zur aktuellen Bedrohung

Ein ehemaliger Finanzminister und sozialistischer Politiker, nunmehr Millionär, hat sich unseres angeblich plötzlich grundlegend falschen Bildungssystems angenommen und ein medial stark beworbenes „Bildungsvolksbegehren“ lanciert. Dieses muß wohl als jener Vorschlaghammer gedeutet werden, mit dem endgültig jeder Ansatz wirklicher Qualität im Schulbereich zerschlagen werden soll. Eine alte Wunschvorstellung der Linken könnte nun auch hierzulande bald traurige Tatsache werden: Eintopfschule, Zwangstagsschule, möglichst umfassende ideologische Einwirkung progressiver Pädagogik, und, zusätzlich, eine landesweite „Betreuung“ der Kleinen im sozialistischen Kindergarten, möglichst früh einsetzend, damit die Frau rasch wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert und dort emanzipatorisch verwertet werden kann. Von Seiten der Volkspartei wurde hierzu die mittlerweile schon verwirklichte Idee beigesteuert, jenes umfassende Kindergarten-„Angebot“ als „verpflichtend“ der Bevölkerung aufzunötigen. (Merke: dort wo sich seit alters festgelegte Pflichten bewährt haben, werden sie abgeschafft; dort, wo Verpflichtungen unangebracht sind, werden sie eingeführt — die Zeichen unserer Gegenwart). Denn „PädagogInnen“ seien ja für die Erziehung der Kinder „fachlich wesentlich besser geeignet“, als die Mütter — so die „Erkenntnis“ einer hiesigen republikanischen „Bildungs“-PolitikerIn. Und es war die „Ära“ von VP-Bundeskanzler Schüssel, in welcher die Weichen zur nunmehr sich abzeichnenden bildungspolitischen Reaktorkatastrophe gestellt wurden; die Volkspartei einmal mehr als Steigbügelhalter des Sozialismus (von VP-Politikern aus der Steiermark, welche die Linksprojekte Ganztags- und Gesamtschule übernommen haben, wurde der aktuelle Großangriff auf das bewährte Schulsystem vor wenigen Jahren überhaupt erst losgetreten). Überdies agiert diverses Wirtschaftstrotteltum hier Hand in Hand mit dem Sozialismus; diese Art der Wirtschaftstreibenden (längst geistig ganz woanders, als die seriösen Bank-, Kauf- und Gewerbeherren der Vergangenheit) ist am Menschen vorzugsweise als Billigkraft im Arbeitsprozeß, als willfähriger Konsument und als wehrloses Konsumgut interessiert; wirkliche Bildung stört da nur und kann eingespart werden. Und auch die Familie stört im Grunde. So also finden sich einträchtig die zwei vorgeblich konkurrierenden, de facto schon längst zur Einheit verschmolzenen Großparteien zur Verwirklichung des Fortschritts-Projektes der Bildungsdemontage, der Familiendemontage und der Zwangsbewirtschaftung unserer Kinder. Die Konsequenzen für das Land sind absehbar und sie werden übel sein.

Zu diversen Argumenten

Erstens: Unser Bildungssystem sei veraltet und, wie die „Pisa“-Studien belegten, einfach schlecht. Falsch. Was „Pisa“ allenfalls wirklich festgestellt haben mag, sind die Ergebnisse von 40 Jahren linker „Schulversuche“ und die Konsequenzen der Mißachtung, Unterdotierung und Überbeanspruchung des Lehrerstandes. Unser Bildungssystem ist alt, aber glänzend bewährt und weltweit wird man kaum besseres finden, wie die Vergangenheit beweist. Und wenn Österreichs Schule, wie „Pisa“ behauptet, keine guten Ergebnisse mehr erbringt (im Fach Lesen sei „Österreich“ besonders schlecht), dann wird das wohl auch mit der massiv steigenden Zahl von Kindern fremder Herkunft zusammenhängen, die naturgemäß Deutsch in Wort und Schrift schlecht beherrschen (woran sie zunächst ja keine Schuld haben). Die Einbürgerung großer Massen bildungsferner Unterschichten aus vielerlei fremden Ländern aber ist linkes Dauerprojekt zur Gesellschaftsänderung. Wer bessere schulische Leistungen wünscht, muß die Klassen verkleinern, die Lehrer entlasten und eine überbordende und unqualifizierte Einwanderung vermindern. Nicht die Schule, die Politik ist umzuformen.

Zur Gesamtschule: Aus Gründen angeblicher „Chancengerechtigkeit“ sei die „gemeinsame Schule“ aller 10- bis 14-Jährigen unbedingt notwendig. Falsch. Gerechtigkeit wird nicht durch Umsetzung sozialistischen Gleichheitswahns verwirklicht. Und gemeinsam ist ohnehin die Volksschule. Für höhere Bildung disponierte Frühbegabte sind danach bisher in die Unterstufe des Gymnasiums gegangen; schulisch weniger Disponierte gingen in die Hauptschule, die über lange Zeit hin ja von ausgezeichneter Qualität war; Spätentwickler konnten von dort problemlos in die Oberstufe des Gymnasiums eintreten.

„Chancengerechtigkeit“ also gewährleistet, Reform völlig unnötig. Wer handwerkliche Begabung hat, muß nicht zu einem Studium genötigt werden; und ein halbgebildetes Akademikerproletariat dient nicht dem Staat, höchstens den Parteiapparaten. Die Umstrukturierung zahlreicher Schulen zur „Neuen Mittelschule“ soll, wie man liest, 230 Millionen E kosten; viel Geld für die Umsetzung sozialistischer Ideologie, die Begabung ignoriert und alles über einen Kamm scheren möchte. Die Gesamtschule (bei uns momentan „Neue Mittelschule“ genannt) hat sich erwartungsgemäß und nachdem man das Experiment über Jahrzehnte in zahlreichen Ländern Europas verfolgen konnte, wo es flächendeckend eingeführt worden war, als krasser Fehlschlag erwiesen; in Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland — überall. (Lesen Sie nach: auf www.schuelerbegehren.at finden Sie neben sorgfältig recherchierten Artikeln zum Thema eine entsprechende Sammlung von Originalquellen). Aber es geht in Wirklichkeit eben gar nicht um die Qualität der Schule; es geht um die Durchsetzung linksextremer Gesellschaftspolitik.

Zur Ganztagsschule: Die allgemein eingeführte und mit staatlichem Zwang durchgesetzte Ganztagsschule, jene Einrichtung also, in welcher die Schüler von morgens bis abends, also ganztags, verwahrt sind, würde endlich dem teuren „Nachhilfe-Unwesen“ ein Ende bereiten und der arbeitstätigen Familie die Bürde der Kindererziehung abnehmen, wie man ein sehr häßliches Grundkonzept bewerbend behübscht. Die Ganztagsschule aber bedeutet einen großen Schritt in Richtung des totalitären Staates; weniger Freiheit, mehr sozialistische Bevormundung. Eine ohnehin schon linkslastige Pädagogik, durch gleichzeitigen Abbau der Unabhängigkeit des Lehrers noch unumschränkter etabliert, würde in Zukunft ganztägig die in der Schule kasernierten Kinder progressiver Gehirnwäsche unterziehen. Fünf Tage in der Woche wäre der Schüler seinen Lehrern und dem Kollektiv seiner Klasse ausgeliefert. Kein Entkommen; keine außerschulische Freizeit, keine außerschulischen Freunde, und die Familie nur in den Abendstunden und am Wochenende. Wie schön, daß die Volkspartei bei derlei Planung engagiert mitmacht. Schon in der „Ära“ Schüssel wurde der Nachmittagsunterricht unangemessen ausgeweitet. Und der ebenfalls bald weitreichend etablierte Zwangskindergarten (als „Bildungskindergarten“ angepriesen) ermöglicht nun den Zugriff des Staates auf das Kind bereits im Vorschulalter. Auch die Pläne zur Aufsplitterung und Verringerung der Ferienzeit gehen klar in diese Richtung. Gewiß: das verwahrloste und geprügelte Kind drogenabhängiger Eltern wäre im Ganztagskindergarten und in der Ganztagsschule vermutlich besser aufgehoben; aber noch hat der Sozialismus die Gesellschaft in Österreich nicht allgemein auf dieses Niveau heruntergebracht, noch liebt die Mehrzahl der Eltern ihre Kinder und wünscht, diese selbst zu erziehen; mit all den Bürden, die dazugehören. Auch hier eine Frage des rechten Maßes: staatliche Hilfe durch kompetente Instanzen ist höchst wünschenswert; staatliche Totalreglementierung durch unfähige Verwaltung ein Greuel; die Möglichkeit guter Kindergärten und Internate ist ein Segen (sehr häufig sind das übrigens, man darf sich hier durch antiklerikale „Mißbrauchs“-Hetze nicht irre machen lassen, geistlich geführte Institute, weswegen eine progressive Politik diese auch gerne rufmorden und abschaffen möchte); rote Zwangs- und Gleichmacherei-„Pädagogik“ hingegen führt uns zum politisch vergewaltigten und entmündigten Menschen, wie ihn materialistische Weltanschauungen aller Art eben hervorbringen. Lediglich noch die Christlich-soziale Lehrergewerkschaft ist gegen die Ganztagsversklavung des Lehrpersonals (notabene bei ungenügender Bezahlung) und steht damit zwischen uns und der sozialistischen Zwangserziehung der Jugend. Und vielleicht ein politisches Erdbeben, falls sich die Mehrheit der Bevölkerung endlich dazu aufrafft, der etablierten, unfähigen und korrupten linken Dreckspolitik der Gegenwart die Gefolgschaft zu verweigern und endlich umfassend in den Widerstand zu gehen.

Forderungskatalog

Beibehaltung des altbewährten differenzierten Schulsystems. Keine ganztägige Regelschule und Abschaffung beziehungsweise Einschränkung des schulischen Nachmittagsunterrichts (die Internatsschulen sind die Ausnahme). Allenfalls Einführung eines zusätzlichen Schuljahres als Ersatz der ausfallenden Lehrstunden und zur Vertiefung und Ergänzung des Unterrichts (also etwa einer fünften Hauptschul- und eine neunten Gymnasialklasse). Beibehaltung der Schulferien in der bewährten Regelung; allenfalls Erweiterung der Ferienzeiten. Höhere Dotierung der Lehrkräfte bei klarer Festlegung entsprechender Qualitäts- und Ausbildungsstandards; Beibehaltung der Pragmatisierung des Lehrpersonals als Schutz vor ideologischem „Mainstreaming“; Entpolitisierung des Unterrichts. Kleinere Klassen. Kein Kindergartenzwang. Endlich die Ernennung eines wieder kompetenten und wirklich Katholisch-konservativen Unterrichts- und Wissenschaftsministers.