Kirche Anno Domini 2016

Zum derzeitigen Pontifikat und
zur Enzyklika „Laudato si’“

Einleitende Adresse an den Heiligen Vater

Heiliger Vater! Wir beten für Sie, wie sich das für Katholiken gehört. Dennoch sind wir mit Ihrer Amtsführung nicht zufrieden. Sie selbst haben zu rückhaltloser Offenheit aufgefordert. Das befolgen wir. Vorweg dürfen wir anmerken, daß wir große stilistische Defizite in Ihrem Pontifikat empfinden. Da wäre beispielsweise der von Ihnen vorzugsweise benützte Titel des Bischofs von Rom. Ganz ohne Zweifel sind Sie als Bischof von Rom der Hirte einer wundervollen und traditionsreichen Diözese. Diese aber liegt weit entfernt von Wien. Was sie als Bischof von Rom sagen, ist für uns nicht sonderlich von Belang. Sie sind da ein Bischof unter vielen, und Ihre Äußerungen stehen neben jenen der Bischöfe von zum Beispiel Lissabon, New York, Dakar, Mainz. Sie sprechen als Bischof vorzugsweise zu den Gläubigen Ihrer Diözese. Als Papst freilich ist das anders: da wird Ihr Wort weltweit gehört. Und die Institution eines machtvollen Papsttums, das über den Erdkreis hin lenkend und korrigierend einzugreifen vermag, ist, angesichts der gegenwärtig zahlreichen ungeeigneten, schwachen und von sinistren weltlichen Interessen ferngesteuerten Bischöfe, von wesentlicher Bedeutung für das Wirken der Kirche. Einigen wir uns hier also darauf, daß wir Sie als Papst betrachten und ansprechen, als den Heiligen Vater und Stellvertreter Christi auf Erden, dessen Wort für uns Gewicht hat. 

Eine weitere Anmerkung zu Stilfragen. Stilfragen sind nicht unwichtig, wenn es auch mitunter noch Wesentlicheres zu berücksichtigen gilt. Und wenn man auch Ihr neumodisches Brustkreuz als unschön empfindet, so wird man vielleicht zugestehen, daß speziell Ihnen die schwarzen Schuhe zur weißen Soutane tatsächlich besser stehen als die roten. Dennoch sollten Sie in Erinnerung behalten, daß in den Apostelbriefen über die Anforderungen für das Bischofsamt auch die Würde enthalten ist. Somit ist es uns legitimerweise ein Ärgernis, wenn ein Erzbischof während einer Heiligen Messe mit Luftballons hantiert. Und daß Sie zulassen, daß sich die Bischöfe Brasiliens während Ihres Besuches daselbst durch alberne Tänze im Fußballstadion lächerlich machen, zeigt, daß offensichtlich nicht nur weite Teile des heutigen Episkopates den Anforderungen ihres hohen Amtes nicht mehr entsprechen. Auch fürchten wir hier Ihr persönliches Beispiel. Vieles an Ihrem Verhalten, nicht zuletzt Ihre ostentative Wahl eines ungewöhnlichen Wohnsitzes, mag zahlreiche Kleriker zu billigen Gesten zeitgeistkonformen schlechten Geschmacks verleiten. Wir halten aber von solchen Gesten falscher Bescheidenheit gar nichts. Weniger demonstrative Pseudo-Demut und mehr Mut zum Bekenntnis wären den Bischöfen der Katholischen Welt dringend anzuempfehlen. 

Beispielhaft erlauben wir uns, noch weitere Punkte herauszugreifen, die zu Widerspruch einladen: Kapitalismuskritik etwa ist richtig und notwendig. Sie üben sie vorzugsweise in Verbindung mit dem Wort „Ungleichheit“. Das aber ist problematisch. Kapitalismuskritik sollte gescheit sein und nicht den dümmlichen Vorgaben der sogenannten und marxistisch verseuchten „Theologie der Befreiung“ folgen. Die unsägliche globale Dominanz des Götzen Mammon hat sehr viel mit den modernen Verhältnissen unserer Zeit zu tun, aber das läßt sich nicht mit dem Begriff „Ungleichheit“ in Worte fassen. Ungleichheit ist wichtig, wertvoll und gottgewollt; Ungleichheit ist Grundlage für Vielfalt, und in der Vielfalt liegt der Reichtum der Schöpfung. Ungerechtigkeit ist das Wort, das Sie hätten benützen sollen. 

Sie setzen als Höhepunkte Ihres stets üppig in Szene gesetzten persönlichen Stils auch gerne Gesten Ihrer persönlichen Unterwerfung. Leider bleiben diese Gesten aber sehr einseitig. Dort, wo Unterwerfung besonders angebracht wäre, etwa der Kirchlichen Tradition gegenüber, bleibt sie bei Ihnen weitgehend aus. Ohne die stete Rückbindung an die eigene Tradition verliert die Kirchliche Lehre aber ihre Bedeutung, verliert sozusagen den Weg, verirrt sich im Zeitgeistigen, wird zur Irrlehre. Ihre mittlerweile wohlbekannten Schwierigkeiten mit der Tradition der Kirche gleichen einer Autoimmunerkrankung; sie führen in die Selbstzerstörung. Genau deswegen dürfte man Sie ja auch nach dem Rücktritt Ihres bedeutenden Vorgängers zum Papst gewählt haben. Ein Rücktritt, der im Lichte Ihres Pontifikates leider nun als klar erkennbare Fehlentscheidung zu werten ist. Sie, Heiliger Vater, dienen derzeit, gerade weil Sie Antitraditionalist sind, den Feinden der Kirche; wobei wir annehmen, daß dieser Umstand Ihnen nicht bewußt ist. Ihr Antitraditionalismus resultiert aus Ihrem falschen Bild unseres Herrn und Heilands; Sie halten Christus offensichtlich für einen Revolutionär. Das war er aber nicht. Die Stelle in den Evangelien, über die Sie hier meditieren sollten, Worte des Herrn, lautet: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, Ich bin gekommen, um es zu erfüllen“ (Matthäus 5,17). Christus war nicht Revolutionär, er war Traditionalist. Sie, Heiliger Vater, sind in besonderer Weise berufen, Christus zu folgen und nicht den falschen und zerstörerischen Ideologien unserer Zeit. 

Zur Frage von Liturgie und Schönheit

Anläßlich der vom Katholischen Volk damals mit Freude erwarteten allgemeinen Freigabe der Feier der Alten Messe durch Rom haben in Frankreich zahlreiche Universitätslehrer, Aristokraten, Theologen, Schriftsteller, Schauspieler und führende Vertreter der Wirtschaft einen Aufruf in Unterstützung dieses längst überfälligen Schrittes veröffentlicht. Ein Schritt, den Papst Benedikt XVI. segensreich gesetzt hat und den Sie nun offenkundig wieder rückgängig zu machen trachten. Die Unterzeichner verweisen auf die Tradition der Kirche und die Tatsache, daß die Alte Messe die Messe der meisten Heiligen der Christenheit war: „Wir sind schockiert darüber, daß etwa die von Pater Pio oder Maximilian Kolbe gefeierte Meßform von jemandem als beunruhigend angesehen werden könnte.“ Auch ruft man die Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils in Erinnerung: „Treu der Überlieferung erklärt das Heilige Konzil, daß die Heilige Mutter Kirche allen rechtlich anerkannten Riten gleiches Recht und gleiche Ehre zuerkennt. Es ist ihr Wille, daß diese Riten in Zukunft erhalten und in jeder Weise gefördert werden.“ Die Unterzeichner betonen, daß die Verschiedenheit der Riten als Gnade aufgefaßt werden sollte und erklären: „Wir sehen mit Freude die Freigabe jenes Ritus, den wir gewöhnt waren, des Ritus unserer Eltern und Großeltern, der das geistliche Leben so vieler Heiliger genährt hat. … Wir wollen dem Heiligen Vater und den Bischöfen unsere Freude kundtun, daß es immer mehr Pfarreien und Ordensgemeinschaften gibt, die der Schönheit der Liturgie in ihren verschiedenen Formen verbunden sind.“ Und sie teilen die von ihm selbst so formulierte Überzeugung Papst Benedikts XVI., daß „die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht“.

Und die ganze Häßlichkeit modernistischer Liturgie und Kirchenbauten, wir weisen Sie nur daraufhin, Sie könnten es selbst in der Heiligen Schrift nachschlagen, ist ganz und gar unbiblisch. Mehr Schönheit in die Kirche, Heiliger Vater, das ist eine der Notwendigkeiten der Gegenwart. Eine häßliche und verbeulte Kirche, die Sie, wir zitieren Sie sinngemäß, als so erstrebenswert betrachten, ist nicht sonderlich attraktiv und ist auch durchaus nicht, was Christus intendiert hat. Die Forderung nach Schönheit in der Kirche leitet sich letztlich vom Alten Testament her ab; wir rufen seine architektonischen und liturgischen Hinweise in Erinnerung. Es ist von welthistorischer Bedeutung, daran festzuhalten, zur höheren Ehre Gottes nämlich. Auch der Heilige Franz von Assisi hat dies so gesehen und so gehalten. Wir fordern von Ihnen, Heiliger Vater, Buße für Ihren Modernismus und einen Schritt der Umkehr: wir wünschen, daß Sie selbst im Petersdom, zumindest zu den Hochfesten, die Feier der Heiligen Messe im Alten und ewiggültigen Ritus zelebrieren; mit aller nur möglicher Pracht, wie dies dem Herrn zusteht und wie es uns erfreut und im Glauben stärkt. Und wir wollen auch, daß Sie wieder die Tiara tragen.

Zur Enzyklika

Vorweg, Heiliger Vater, möchten wir Ihnen für dieses Lehrschreiben herzlich danken; Sie haben hier, in den Spuren Ihres Vorgängers, eines der zentralen Menschheitsthemen unserer Gegenwart aufgegriffen und in schwierigen Zeiten und angesichts deutlich sich bereits abzeichnender Bedrohungen eine überaus notwendige Stellungnahme des Kirchlichen Lehramtes veröffentlicht. „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ist der Untertitel, mit dem Sie treffend unsere Lebenssphäre benennen. Die Gefahren für die natürlichen Grundlagen menschenwürdigen Lebens auf unserer Erde wachsen beständig; wer mit klarem Blick Städte und Landschaften Europas betrachtet (und wir sind noch, nach allem, was man hört und sieht, gut beisammen im Gegensatz etwa zu den Metropolen und Produktionssteppen der USA, Lateinamerikas, Asiens und Afrikas), der wird diesen Befund durch eigene Beobachtung bestätigen können. Alleine die konsequente Verhäßlichung unserer Städte ist deutliches Warnsignal, denn mit der Schönheit schwindet die Lebensqualität. Die völlige Ignoranz der Problematik gegenüber wird exemplarisch durch eine Polemik in der „Washington Post“ illustriert (18.9.2015), einem der führenden „Intelligenzblätter“ der USA. Hier werden Sie unter Aufzählung einseitiger Statistiken aufgrund dieser Enzyklika scharf angegriffen und „zutiefst reaktionärer Ideen“ beschuldigt; eine Formulierung, die man als Lob aus feindlichem Munde auffassen sollte und die deutlich darauf hinweist, daß Ihre Worte von hohem Wert sind. Was genau sind nun diese Ihre zutiefst reaktionären Ideen? In Ihrer zweiten Enzyklika, deren titelgebende Anfangsworte dem Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi entnommen sind („Laudato si’“ — „Gelobt seist Du, mein Herr, mit all Deinen Geschöpfen ...“), befassen Sie sich mit der ökologischen Frage. Sie halten fest, daß Verschwendung und Zerstörung der Umwelt ein derartiges Ausmaß angenommen haben, daß Katastrophen apokalyptischen Ausmaßes für die Menschheit befürchtet werden müssen; daß sich die von der Gier nach umfassender wirtschaftlicher Ausbeutung besessenen machthabenden Personenkreise aber dem Umdenken verweigern; daß die Ideologie des ständigen Wachstums überwunden werden muß; daß wir uns von einer globalen „Kultur“ des Wegwerfens (von Dingen wie von Menschen) lösen müssen; daß der ökologische wie der soziale Ansatz ineinandergreifen, weil Naturschutz zugleich auch Schutz des Menschen bedeutet. Im Grundsätzlichen stehen wir hier in völliger Übereinstimmung mit Ihnen; Bewahrung und Bewunderung der Schöpfungswerke Gottes ist etwas, das wesentlich zum Christentum gehört. Kritik müssen wir dort üben, wo etwa in Ihrer Wortwahl erneut deutlich wird, daß Sie im Grunde mit einer defizitären Theologie operieren; Defizite, die so deutlich sind, daß man auch als Laie nicht umhin kann, sie zu bemerken. Wir nennen Ihnen nur ein Beispiel, das aber bezeichnend sein dürfte: Schon auf der ersten Seite der Enzyklika wird der Begriff des „Herrschers“ negativ gesehen; eine Sicht und Wortwahl, die das ganze Schreiben durchzieht; der Mensch sehe sich als Herrscher, der das Recht habe, die Erde auszuplündern, wie Sie schreiben. Katholisches und daher richtiges Verständnis vom Herrschertum aber meint selbstverständlich gerechte Herrschaft und nicht Plünderung. Menschliche Herrschaft an sich ist legitim, „... füllet die Erde und macht sie euch untertan und herrschet ...“ heißt es (Erstes Buch Moses - Genesis 1,28). Herrschaft zählt zum Schöpfungsauftrag Gottes an den Menschen, was auch bedeutet, daß wir uns die Natur zähmen dürfen, denn ohne Zähmung bleibt sie uns feindlich. Die Verknüpfung aber von Herrschertum und Ausplünderung, die Sie in Ihrem Lehrschreiben machen, beruht auf linker und nicht auf Biblischer Sicht. Genau das sind die immer wieder in Ihrem Pontifikat auftretenden Widersprüchlichkeiten und Verirrungen; theologische Defizite, die nicht nur den Wert dieser Enzyklika, sondern die Ihr ganzes Pontifikat beeinträchtigen. Freilich: Wenn die schon genannte „Washington Post“ feststellt, daß „Amerika nicht zugleich den Papst ehren und an seinen eigenen Voraus­setzungen festhalten“ könne und wenn dann diese Voraussetzungen mit „Wachstum“, „Größe“, „Modernität“, „spontaner Kreativität offener Gesellschaft“ und „Technologie“ beschrieben werden, dann entscheiden wir uns für den Papst und nicht für die angeblichen Voraus­setzungen Amerikas — alleine schon aus der rationalen Einsicht heraus, daß es in einem begrenzten System kein unbegrenztes Wachstum geben kann.

Abschließende Adresse an den Heiligen Vater

Wir sind, bei allem geschuldeten Respekt, mit Ihrem Pontifikat recht unglücklich. Und wir werden nicht in der Gehorsamsfalle verweilen, in der sich so viele gute Katholiken gefangen haben. Wenn man etwa vom kürzlich von Ihnen ernannten Bischof von Padua hört, daß er bereit ist, aus Rücksicht auf die im Land befindlichen Muslime auf die Weihnachtstraditionen zu verzichten, dann ruft das den fatalen Eindruck der Idiotie, wenn nicht des offenen Verrats hervor, verknüpft mit heuchlerischer Berufung auf die Pflicht zur Gastfreundschaft (wir empfehlen hierzu die Lektüre von Markus 8,38). Wenn wir zugleich sehen, daß solche Bischöfe Narrenfreiheit haben, während traditionsorientierte Bischöfe und Orden von Ihnen, Heiliger Vater, gegen jede Gerechtigkeit gemaßregelt werden, dann wird Widerspruch Ihnen gegenüber zur Pflicht. Seien Sie dennoch, Heiliger Vater, unseres Gehorsams versichert, überall dort, wo Ihnen dieser Gehorsam zusteht; und seien Sie unseres loyalen und Römisch-Katholischen Widerstandes versichert, wann immer wir bemerken, daß Sie vom rechten Wege abweichen.